Mit Fotogeschenken auf sich aufmerksam machen

Die Männer sind als „Jäger“ bekannt, doch dieser Mann schoss umgangssprachlich den Vogel ab: mit hübschen kleine Fotogeschenken wollte ein 37-jähriger Mann diverse Damen auf sich aufmerksam machen

Ein Dienst für Bilder im Onlinebereich hatte über ein Jahr lang mit dem Täter einen recht guten Kunden was die Bestellungen anging, das berichtet der Donaukurier. Satte 71 Bestellungen löste der Mann im vergangenen Jahr bei dem Dienstleister für Fotos aus und brachte es damit auf einen Gesamtbestellwert von etwa 4.000 Euro. Aufgrund des mutwilligen Betrugs wurde er nun zu 15 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt.

Innerhalb nur weniger Tage nacheinander bestellte der Mann, laut der Verlesung des Staatsanwalts Johannes Riederer, Fotogeschenke im Wert von 298 Euro, 430 Euro, 53,91 Euro und dann noch einmal für 58,63 Euro.

Immer wieder unter anderem Namen bestellt – ein Betrüger, viele Identitäten.

Nun fragt man sich eigentlich, warum der Fotodienst seine Bestellungen weiter rausschickte, obwohl der Kunde nicht ein einziges Mal zahlte. Fakt ist jedoch, dass sich der Täter äußerst geschickt online bei seinen Bestellungen anstellte und so seinen Namen immer wieder nur leicht abänderte, die Adresse behielt er jedoch immer wieder genau gleich in der Bestellung. Durch einen Automatismus im System erkannte der Shop den Betrugsversuch nicht sofort und blieb so auf seinen Kosten und Rechnungsbeträgen sitzen.

Bilder, Bilder und noch mehr Bilder

Zwei Damen waren die Auserwählten unseres Betrügers, so zierten immer wieder die gleichen zwei weiblichen Gesichter verschiedene Tassen, Kühlschrankmagnete, Kuschelkissen und vieles mehr. Auf die Frage des Richters, ob die Anschuldigungen des Staatsanwaltes in Neuburg zutreffend seien, bestätigt der Angeklagte die Vorwürfe und fügt recht niedergeschlagen seine Begründung hinzu. „Stimmt, wegen verschmähter Liebe“ sei seine einzige Entschuldigung gewesen. Immerhin war er erst kürzliche von seiner Ehefrau verlassen worden.

Ungefähr zwei Jahre ist die Trennung von seiner Ehefrau inzwischen her, danach habe der Täter eine andere Frau kennengelernt und Ihre Liebe und Aufmerksamkeit mit Fotogeschenken gewinnen wollen. Mit seiner Handykamera habe er die Frau fotografiert und dann immer wieder an seinen favorisierten Online Bilderdienst zur Verarbeitung geschickt, sogar mehrfach am Tag hatte er Aufträge vergeben. Doch auch diese Bemühungen sollten nicht dauerhaft sein, so zierte eine Zeit später ein neues Gesicht die Fotogeschenke des Täters, der inzwischen eine andere Dame als Objekt der Begierde auserwählt hatte. Wieder zahlreiche Bestellungen von Tassen, Rahmen und Bechern folgten bei dem Onlinedienst. Wenn auch die Liebe nie bleibt – die Bilder auf den vielen Fotogeschenken bleiben zumindest den beiden Freundinnen dauerhaft erhalten. Er selber hat für sich nichts aufbewahrt, sondern tatsächlich alle Fotoprodukte verschenkt. In seiner Wohnung wurden bei einer Hausdurchsuchung keinerlei Fotogeschenke gefunden.

Auf die Frage des Richters hin, ob sich der ganze Aufwand denn wenigstens gelohnt habe, musste der Angeklagt klein beigeben und gestand, dass es „sich kaum gerechnet habe“. Dies sei bereits bei der ersten Dame so gewesen und auch auf die zweite Dame hatten die Bildgeschenke wohl keinen dauerhaft guten und bleibenden Eindruck hinterlassen. Leider wurde der Angeklagte nach seinem ersten Korb aber nicht schlauer und versuchte es mit der gleichen Masche bei der nächsten Frau – doch auch hier nur mit mäßigem Erfolg.

Doch der Angeklagte kennt den Gerichtsstand bereits – geschlagene acht Mal „zierte“ er bereits die Anklagebank

Nun kommt es ganz auf die Sichtweise und vor allem auf die Nachsicht des Richters an, da nach deutschem Recht wiederholter Betrug bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe nach sich ziehen kann. Wegen Unterschlagung, Diebstahl und Körperverletzung war der Täter in der Vergangenheit bereist angeklagt und musste sich bereits ganze acht Mal vor Gericht verantworten, das letzte Mal sei allerdings schon eine ganze Zeit lang her. Mehr als zehn Jahre hatte er sich bereits nicht mehr auffällig verhalten und konnte sich nun abschließend mit dem Fotohändler auf eine Ratenzahlung von 25 Euro im Monat einigen, um die Gesamtsumme von 3.667,84 Euro abzuzahlen.

Auf die Frage des Richters, ob ihm die Dauer seiner Ratenzahlungen bewusst sei, gab der Angeklagte zu, dass er es noch nicht ausgerechnet habe. Trotzdem seien 25 Euro im Monat für ihn als „hauptberuflichen Hausmann“ viel Geld, da er auf Sozialhilfe angewiesen sei und mit weniger als 400 Euro im Monat auskommen müsse. Der Angeklagte kann von Glück sagen, dass er eine berufstätige Frau hatte. Er selber habe zum letzten Mal im Jahr 2013 oder 2014 gearbeitet.

Die Staatsanwaltschaft forderte 21 Monate Haft auf Bewährung

Die Verteidigerin des Angeklagten sprach sich vor Gericht für eine milde Strafe für den Angeklagten aus, da er aus Liebesgründen wohl etwas irrational gehandelt habe. Dies konnte vom Gericht nur bestätigt werden, was die 21 Monate auf Bewährung tatsächlich als Strafmaß festsetzte. Zusätzlich muss der Angeklagte 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, da bei ihm finanziell nichts zu holen sei und man ihm wohl trotzdem den umgangssprachlichen „Denkzettel“ verpassen wollte. Noch vor Gericht zeigte sich der Betrüger als einverstanden mit dem Urteil und stellt für sich selber fest „Es hätte ja auch schlimmer kommen können“.