Vorsicht bei angeblichen kostenfreien Angeboten

Gratis Angebote im Internet erfreuen sich seit längerer Zeit großer Beliebtheit, das berichtet die Neue Westfälische Zeitung. Allerdings sollten diese durchaus mit Vorsicht genossen werden, denn leider ist nicht alles Gold was glänzt. Wie sich dieses alte Sprichwort auch in moderner Zeit bewahrheiten kann, zeigen diverse Betrugsfälle, bei denen angeblich kostenfreie Angebote den Nutzern plötzlich teuer zu stehen kommen.

Werden Verbraucher bewusst in Fallen gelockt?

Online werden oftmals Seiten angeblich kostenfreier Filmangebote beworben, um die Verbraucher in diverse – oftmals sogar langfristige – Abofallen diverser Unternehmen zu locken. Nach einiger Zeit folgt das böse Erwachen, denn die angeblichen Gratisseiten sind gar nicht gebührenfrei und die angeblichen Kosten oftmals extrem hoch. Dabei dürfen Verbraucher ganz gelassen bleiben, denn diese Rechnungen muss niemand bezahlen. Angebote, die als kostenfrei beworben werden, sind dies auch. Sollte trotzdem weiterhin Zahlungserinnerungen oder gar Mahnungen eintreffen, so lohnt sich die Zusammenarbeit mit einem Rechtsanwalt für Vertrags- oder Medienrecht. Wichtig ist allerdings, dass nicht doch noch Zusätze im Angebot enthalten waren, die beispielsweise darauf hinweisen, dass das Angebot nur eine begrenzte Zeit gratis ist. In diesem Fall muss der Rechnungsbetrag selbstverständlich beglichen werden.

Begrenzte Zahlungsbereitschaft der Konsumenten

Letzten Endes kann der Grund für solche Tricks aber durchaus in der ohnehin begrenzten Zahlungsbereitschaft der Nutzer für Unterhaltungsprogramme gesucht werden. Gemäß einer Umfrage würden Verbraucher maximal 15,- EUR im Monat für die Nutzung solcher Dienste ausgeben wollen. Dabei liegt schon Netflix als Marktführer mit seinen monatlichen Gebühren von 8 – 16 EUR bei bzw. leicht über diesem Limit.

Bei welchen Angeboten ist Vorsicht angeraten?

Grundsätzlich lohnt sich natürlich die Prüfung aller Angebote bevor man sich als Verbaucher zu einer (dauerhaften) Nutzung entschließt. Trotzdem umfasst die Liste der Verbraucherschützer derzeit etwas mehr als 200 Dienste, wobei hier vor allem auch kinolox.de, filmpalast24.com und cinemadome.net durch diverse Beschwerden auffielen. Diverse eigene Recherchen der verschiedenen Verbraucherzentralen bestätigen dieses schlechte Image leider in erheblichem Maße. Dabei wird gemäß der Marktwächter versucht, die potenziellen Kunden mit angeblichen gratis Angeboten in die (Abo)Falle zu locken. Ist die Registrierung dann erfolgt, so stehen weder die angekündigten Filme oder oftmals auch Serien zur Verfügung, noch wird die Registrierung per Bestätigungsmail auch wirklich offiziell bestätigt.

Was ist nun zu tun?

Verbraucher, die in die Falle gelockt wurden, sollten sich auf gar keinen Fall unter Druck setzen oder gar zur Zahlung nötigen lassen. Wenn keine Bestätigungsmail vorliegt, so gilt der Vertrag ohnehin nicht als geschlossen. Dies ist auch dann der Fall, wenn eine Rechnung weniger lang auf sich warten lässt als die Bestätigung des Vertragsverhältnisses. Auch von hohen – angeblich zu zahlenden – Beträgen (im Beispiel 360,- EUR) sollte sich niemand einschüchtern lassen. Wer telefonisch aggressiv bedrängt wird, darf sogar einfach auflegen. Kunden müssen hier nichts zahlen, da keine Leistung erbracht, der Vertrag sogar nichtmal bestätigt wurde. Dies bestätigt auch Manfred Schwarzenberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Dabei zählt der Experte die Betreiber sogar bereits zur organisierten Kriminalität und rät betroffenen Nutzern zur Strafanzeige. Diese kann über jeden Rechtsanwalt oder direkt bei der Polizei aufgegeben werden. Seiner Meinung nach handelt es sich um eine organisierte Betrugsmasche, wobei die Indizien die Meinung des Experten untermauern. Dabei stellen die betreffenden Unternehmen regelmäßig neue Präsenzen ins Netz und unterscheiden sich auch dort nur ihrem Namen nach. Dabei beinhaltet das Impressum teilweise sogar die Namen real existierender Unternehmen, die oftmals nichts mit den Machenschaften der Betrüger zu tun haben und deren Identitäten dabei missbraucht werden. So werden sogar Inkassoschreiben oder Pfändungsdrohungen mit dem Namen der Fremdfirmen versehen. Wer solche Schreiben erhält, sollte aber wirklich schleunigst die nächste Polizeidienststelle oder einen Anwalt kontaktieren. Hier wird der Eindruck einer konkreten Forderung erweckt, die aber trotzdem nicht existiert.

Kleine Recherche mit großer Wirkung

Allerdings sollte man auch nicht den gesamten Markt über einen Kamm scheren, denn auch unter den Streamingdiensten gibt es verlässliche Anbieter und die berühmten „Schwarzen Schafe“. Oftmals hilft schon eine kurze Recherche, um die Spreu vom Weizen zu trennen und der Grundsatz, dass gut und billig nicht zwangsweise beeinander liegen müssen. Weiterhin sollte sich kein Verbraucher bei unbekannten Diensten direkt mit seinen persönlichen Daten registrieren. Bei Angeboten, die gratis zu nutzen sind, wäre eine solche Registrierung auch Unsinn, da die Daten nicht benötigt werden und somit auch nicht erhoben werden dürfen. Eine Registrierung mit persönlichen Daten ist ausschließlich dann nötig, wenn das Angebot eben nicht kostenfrei ist und eine Rechnung gestellt werden soll. Schwarzenberg rät weiterhin dazu, die betreffende Seite zuerst mit Hilfe einer Suchmaschine aufzusuchen Dabei werden bei unseriösen Diensten in aller Regel bereits Warnungen eingeblendet. Diese sind ein erster Hinweis, allerdings – wohlgemerkt – kein allgemeingültiger und zwingend verbindlicher Sachverhalt nach juristischer Auffassung, denn natürlich kann auch ein Streamingdienst Opfer von (unberechtigt) negativer Bewertung werden. Darüber hinaus raten Experten aber auch, auf der Seite des Streaminganbieters (und vor allem in dessen Nutzungsbedingungen) nach Hinweisen zu Kosten und Abo-Dauer zu recherchieren.

Dabei sind die Streamingdienste aber nicht das einzige Problem, dass den digitalen Marktwächtern Sorge bereitet. Die Einrichtung, welche mit Bundesmitteln betrieben wird, gibt es seit 2014. Ihre Aufgabe besteht unter anderem in der systematischen Auswertung von Beschwerden, die (angeblich oder real) bei der Verbraucherzentrale eingehen. Der Leiter der Einrichtung – Sven Schachrioth – gibt beispielsweise an, dass auch diverse Mobilfunkunternehmen sowie Vergleichs- und Dating-Portale häufig Beschwerden ansammeln.