Trotz der Entziehung der Praxisbewilligung weiter gearbeitet

Im Jahre 2012 wurde dem deutschen Arzt Ingo Malm die Praxisbewilligung entzogen, doch dies hielt ihn nicht davon ab, trotzdem noch bis vor kurzer Zeit im Aargau aktiv zu sein, darüber berichtet die NZZ.

Anhand dieses einen Beispiels wird sehr deutlich, warum es für die Behörden so schwer ist, die schwarzen Schafe auszusortieren und ihnen dann auch das Handwerk zu legen.

Quelle: https://www.nzz.ch/schweiz/wie-ein-pfuschender-arzt-trozt-verbot-patienten-behandelte-ld.1459466

Urkundenfälschung und Betrug, Wie ein mehrfach verurteilter Arzt während Jahren Patienten behandeln kann

Im Juni 2006 erschien in der Schweiz der erste Zeitungsartikel in der Berner Zeitung über den Doktor Ingo Malm. Dieser wurde betitelt mit „Arzt packt das Köfferchen“ und drückte Bedauern darüber aus, dass der aus Deutschland zugezogene Mediziner nun nicht mehr praktizieren darf. Dies lag daran, dass er von der bernischen Gesundheitsdirektion keine Bewilligung erhielt, die Praxis in Kippigen, im Emmental, zu übernehmen.

Der Aargau zeigte sich da wesentlich großzügiger, denn dort erhielt Malm für seine Arztpraxis in Rudolfstetten die Bewilligung. Allerdings ist bis heute nicht bekannt, wie oft die Behörden in Aargau diese Entscheidung bereits bereut haben. Dies liegt daran, dass Malm die Berufsbewilligung entzogen wurde, er jedoch völlig ungehemmt weiterpraktiziert hat. Seit 2013 wurde laut einem Bericht von Radio SRF gerade einmal achtzehn Ärzte inklusive Malm, dem die Approbation entzogen wurde.

In Deutschland verurteilt

Der heute 63 jährige hat ein langes Sündenregister. Malm hat nicht nur gegen das Medzinalberufsgesetzt verstoßen, sondern noch viele weitere Delikte begangen. Auf ihn wartet bald ein Prozess wegen Betrug, Urkundenfälschung und Veruntreuung vor dem Bezirksgericht Bremgarten (AG). In Deutschland wurde er bereits mehrfach verurteilt, dort jedoch aus anderen Gründen. In seiner Heimat hinterzog er Steuern und bezahlte die Löhne und Sozialversicherungsbeiträge seiner Mitarbeiten nicht. Aufgrund massiver Vergehen hat man ihm in München die Berufsausübung verboten. Die Frage ist nur, wie kann es sein, dass dieser Mann in Bern ein Verbot aufgrund mangelnder Vertrauenswürdigkeit bekam, seinen Beruf auszuüben, jedoch in Aargau das genaue Gegenteil der Fall war? Um in der Schweiz eine Zulassung zu bekommen, bedarf es mehrere Hürden zu nehmen. Der Kontansarzt für Aargau, Martin Roth, gab bekannt, dass Malm alle notwendigen Dokumente eingereicht hatte und diese auch korrekt waren.

Das Verfahren für die Bewilligung Malms dauerte lediglich zehn Tage. Die heutige Leiterin der Abteilung Gesundheit des Kantons Aargau, Barbara Hürlimann, erklärte, das heutzutage in das Medizinalberufsregistier geschaut wird. Hat ein anderer Kanton zu einem Arzt, der hier seine Bewilligung beantrage, sensible Daten notiert, dann wird dort erst einmal Rücksprache gehalten.

Unter sensible Daten versteht man in diesem Fall zum Beispiel ein laufendes Disziplinarverfahren.

Doch im Jahre 2006 war es noch nicht Gang und Gebe, dieses Verfahren anzuwenden und dadurch erhielt auch ein Mediziner wie Malm ohne Probleme seine Bewilligung. Doch er erwies sich nun im Nachhinein als umtriebiger Mediziner. In der Region Mutschellen übernahm er gleich mehrere Praxen und er war als Notfallarzt in der Schweiz unterwegs. Sein Konzept war recht einfach: Immer mehr Patienten, immer mehr Behandlungen, immer mehr Umsatz. Bei Fachleuten sorgte dieses sehr umstrittene Konzept für Stirnrunzeln. Aufgrund seiner Behandlungen, die weder wirtschaltlich, zweckmäßig, noch medizinisch oder ethisch vertretbar waren, schloss ihn der Hausärzteverein Bremgarten aus.

Massenweise Ritalin für einen Süchtigen

Jedoch kam dieser Skandal erst im Oktober 2011 ans Licht aufgrund des „Kassensturzes“. Der Öffentlichkeit war dieses Verfahren bisher absolut unbekannt. Der Anlass für diesen Bericht war ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetzes vor dem Bezirksgericht Bremgarten. Die Staatsanwaltschaft wirft Malm vor, einem bekannten Drogensüchtigen 4.600 Tabletten Ritalin in 5 Monaten gegeben zu haben. Dieses ist ein Amphetamin, welches Malm dann mit der Krankenkasse abgerechnet hatte.

Dieser Bericht erschien im TV, worauf sich dann auch die Politik einschaltete. Über dreißig Kantonsparlamentarier verlangten Auskunft, wie es dazu kommt, dass das Aargauer Gesundheitsdepartement auch aufgrund mehrfach eindrücklichen Hinweisen durch den Hausärzteverband nicht unternommen hatte. Doch die Aufsichtsbehörde verteidigte sich gegen diesen Vorwurf, denn man habe im Juni 2010 gegen Malm einen Buss- und einen Verweis geführt und auch parallel dazu Strafanzeige gestellt.

Doch es dauerte bis zum Mai 2012, bis die Aargauer Gesundheitsbehörden dem umstrittenen Mediziner dem Art die Berufsausübungsbewilligung endlich entzogen wurden. Zu dieser Entscheidung hatte Malm selbst reichlich beigetragen, denn er hatte bei einem seiner Patienten eine Krebserkrankung übersehen. Nur zwei Monate später wurde er durch das Bezirksgericht in Bremgarten für die Abgabe von 4.600 Tabletten Ritalin an den Patienten mit einer bedingten Geldstrafe von 109.200 Franken bestraft. Doch Malm tat hier auch das, was er immer tat, er zog diese Entscheide weiter, bis gar nichts mehr ging.

Weiterhin Arzt des Vertrauens

Barbara Hürlimann von der Abteilung Gesundheit erklärte wie extrem der Fall Malm ist. Laut ihrer Aussage nutzt er den Rechtsstaat aus, bis er am Ende ist und daher sind der Behörde die Hände gebunden. Er wechselt permanent den Anwalt und schöpft alle juristischen Möglichkeiten aus. Aufgrund dessen ist es wohl auch nicht weiter verwunderlich, dass das Aargauer Gesundheitsparlament unter der Leitung von Susanne Hochuli so unter Beschuss steht.

Doch auch trotz vieler Negativschlagzeilen genießt Malm bei sehr vielen seiner Patienten noch immer ein großes Vertrauen. 2011 hielt ein Leserbriefschreiber fest, dass er Malm für einen sehr guten Diagnostiker hielt. Er behandelte den Patienten in zwei Notfällen. Weiter schrieb er, dass er dieses auch von anderen Bekannten gehört habe und sich auch weiterhin von Malm hervorragend betreut fühle.

Trotzdem konnten sowohl die Lobeshymnen seiner Patienten und der juristischen Winkelzüge Malm nicht als Gewinner des Verfahrens hervorbringen. Das Bundesgericht lehnte im Juli 2014 seinen Rekurs gegen den Entzug Berufsausübungsbewilligung ab. Auch seine Aussage, die Gerichtspräsidentin wäre im Fall des Ritalin-Prozesses befangen gewesen, wurde ebenso abgelehnt.

Trotz allem dachte Malm nicht daran, aufzugeben. Im August 2014 eröffnete der umstrittene Mediziner ein Ärztezentrum in Berikon. Hier ist er angeblich nur noch Geschäftsführer und nicht mehr als praktizierender Arzt tätig. Doch im Januar 2018 endete der Erfolgskurs des Mediziniers ziemlich jäh, denn die Polizei verhaftete ihn und führte in der Gemeinschaftspraxis eine Hausdurchsuchung durch. Ihm wurde vorgeworfen, dass er Rechnungen in Höhe von über eine Million Franken nicht bezahlt hatte. Ein weiterer Hinweis war, dass Malm trotzdem in der neuen Praxis wieder als Arzt tätig war.

Die Aargauer Zeitung berichtete, dass Malm tagelang in Tirol als Notarzt gearbeitet hatte, dies widerrechtlich und ohne Zulassung. Die Schweiz erwartet Malm, wenn der Prozess aufgrund des Betrugs, Urkundenfälschung und Veruntreuung beginnt. Dieser soll laut dem Bezirksgericht Bremgarten vor den Sommerferien beginnen. Nach dem Prozess erhofft Aargau, dass man sagen kann, der Arzt hat sein Köfferchen endlich gepackt.

Polizei verhaftet Ingo Malm – Strafverfahren wegen Betrugs und Urkundenfälschung läuft

Die Staatsanwaltschaft gab nach der Durchsuchung der Praxis auch die Festnahme von Ingo Malm bekannt, dies berichtete die Aargauer Zeitung. Ihm wird vorgeworfen, Betrug und Urkundenfälschung betrieben zu haben.

Eklat im Fall von Ingo Malm: Wohl einer der umstrittensten Ärzte darf nicht mehr selbstständig praktizieren und wurde von der Polizei verhaftet und befragt. Gegen den Arzt läuft ein Strafverfahren wegen Betruges und Urkundenfälschung.

Die Patienten des Ärztezentrums Mutschellen stehen seit Freitag vor verschlossenen Türen, wenn sie zu einem ihrer Ärzte wollen.

Die angelegten Patientenakten lagern nun im gut geschützten EDV-System der Ärztezentrum Mutschellen AG. Der Verwaltungsrat, der nur aus einer Unterschrift versehen war, war Ingo Malm und er hätte auch Zugriff auf diese Akten gehabt. Doch er, wie auch sein gesamtes Personal sind mit einem Schlag untergetaucht, so zumindest der bisherige Wissensstand.

Doch Mittwochabend berichtete Tele M1 von dem umstrittenen Arzt, der schon seit einiger Zeit nicht mehr selbstständig praktizieren darf, dass er von der Polizei verhaftete und befragt wurde. Die Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft, Fiona Strebel, erklärte dem Regionalsender, dass gegen Malm ein Strafverfahren vorliege und man nun prüfe, inwieweit er Betrug und Urkundenfälschung betrieben habe. Gegen Malm lag zu früheren Zeiten schon einmal ein Verfahren vor, aufgrund von unerlaubter Medikamentenabgabe, wie auch Forderungen von mehr als einer Millionen Franken. Er werde nun befragt und die Staatsanwaltschaft entscheide dann, wie sie weiter gegen Malm vorginge. Es kann auch sein, dass gegen ihn Untersuchungshaft beantragt wird.

Patienten nicht informiert

Wenn ein Arzt seine Praxis schließt oder auflöst, werden die Patientendaten im Normalfall auf einen externen Datenträger gespielt. Dann werden Vollmachten erteilt und den Patienten ihre Daten ausgehändigt. Dies kann lebensrettend sein, wenn ein medizinischer Notfall vorliegt und der behandelnde Arzt in diesem Fall einen schnellen Zugriff auf die Krankengeschichte seines Patienten benötigt. Odh Malm war für die AZ unerreichbar. Es wurde lediglich im „Wohler Anzeiger“ vom Dienstag eine Information verbreitet mit den Worten: „Wir sind ausgeschlossen seit Freitag“. Dies bedeute, dass er selbst auch nicht an die Akten heran käme und er somit seine Patienten auch nicht informieren könne. Allerdings äußerte Malm der Zeitung gegenüber auch, dass er seit Dezember wisse, dass das Ärztezentrum Mutschellen in dieser Form nicht weiter existieren könne. Warum, ließ er offen. Jedoch räumte er ein, dass gegen seine Firma offene Forderungen von 500.000 Franken vorliegen.

In der Region selbst wurde schon seit geraumer Zeit über die baldige Schließung des Ärztezentrums spekuliert. Diese war auch ein Thema der Teamsitzung des Doktorzentrums von Mutschellen, welches die zweite große Gemeinschaftspraxis in Berikon darstellt. Diese Sitzung war am 8. Januar. Es wurde gesagt, dass die Zukunft des Ärztezentrums sehr ungewisss sei und man sprach schon in dieser Sitzung darüber, wie man dann mit der zu erwartenden Flut an neuen Patienten umgehen könne.

Was tun, wenn der Hausarzt abhaut?

Die Patienten bekamen zwar von Malm keine Antwort, jedoch von dem Betreiber des Ärztezentrums. Diese wiederum überließen es der Besitzerin der Praxisräume, die Schließung der Praxis zu kommunizieren. So steht nun auf einem A4 Blatt an der Eingangstüre folgende Information: „Das Ärztezentrum Mutschellen AG befindet sich nicht mehr an dieser Adresse. Der befristete Mietvertrag endet am 31. Dezember 2017 und wurde nicht verlängert.“ Wenn die Ärzte des Zentrums diesen Termin gekannt haben, haben sie auch diesen nicht kommuniziert und ihre Patienten im Ungewissen gelassen.

Arzt verließ Malms Praxis

Die Praxis hatte jedoch, laut einem ehemaliger angestellten Arzt, der sich am 1. Januar selbstständig gemacht hatte, deutliche Probleme mit der Organisation und Planung. Laut dem Allgemeinmediziner und Homöopath Muhamet Nuraj hat er sich selbstständig gemacht, da er sich gänzlich um seine Patienten kümmern wollte. In dem Ärztezentrum war dies sehr durcheinander und immer etwas chaotisch.

Der ehemalige Kollege weiß jedoch auch, dass es Kollegen in der Praxis gab, die das Zentrum weiterführen wollten. Diese hätten mit Sicherheit keinen Patientenmangel gehabt, da in dieser Region Hausärztemangel besteht. Das Zentrum in Mutschellen war ebenso überlaufen. Nach der Auflösung eines Ärztehauses in Bremgarten im vergangenen Sommer hatten diese schon einen sehr großen Teil der Patienten übernommen. Die ehemaliger Patienten von Ingo Malm haben wohl keine andere Möglichkeit als sich einen neuen Hausarzt zu suchen oder aber die Notfallstation des Kantonspitals Baden aufzusuchen.