Die schmutzigen Tricks bei Amazon

Ganz offensichtlich wird auf dem Marktplatz des Onlinehändlers Amazon mit zunehmend harten und nicht immer rechtmäßigen Bandagen gekämpft, wobei es scheinbar an der Tagesordnung ist, dass Händler getäuscht, sabotiert, kopiert, bedroht oder sogar erpresst werden bzw. selbst gegenüber ihren Wettbewerbern zu solchen Maßnahmen greifen. Dabei wird sogar vor Bestechungsversuchen gegenüber den Mitarbeitern des Konzerns nicht halt gemacht, so dass die eigenen Regeln des Konzerns Amazon nun scheinbar auch zur Waffe geworden sind.

Zuerst sollten aber erstmal die Rahmenbedingungen erläutert werden, wozu auch die Tatsache zählt, dass der Markplatz des Onlinehändlers Amazon in etwa nahezu zweimal so viel Umsatz macht, wie der eigene Einzelhandel des Konzerns. Darüber hinaus wächst der Geschäftsbereich auch deutlich schneller, so dass hier auch davon ausgegangen werden kann, dass sich eine gewisse Eigendynamik entwickelt. Grundsätzlich beruht dabei die Geschäftsidee auf dem Einfall ein – aus dem Einzelhandel bekanntes – Einkaufserlebnis zu schaffen, wobei dem Nutzer aber das dort übliche Chaos verschwiegen werden soll. Über diesen Fall berichtet Etailment.

Quelle: https://etailment.de/news/stories/Amazon-Seller-Betrug%20-22010

Schmutzige Tricks und Betrug, So brutal ist der Kampf auf dem Amazon-Marktplatz

So oder so herrscht ein hoher Konkurrenzdruck und harter Wettbewerb hinter den Kulissen, denn mehr als 2,5 Millionen so genannter Seller bieten weltweit eine Fülle von mehr als 550 Millionen  verschiedener Produkten an. Marketplace Pule konnte dabei ermitteln, dass alleine im vergangene Jahr mehr als 1,2 Miollionen neuer Händler bei Amazon registriert wurden. Interessant ist aber auch, dass vor allem asiatische Händler den Marktplatz von Amazon für sich entdecken, denn die Anzahl der Handelspartner aus China wächst hier prozentual gesehen am stärksten. Es kann somit schon mal festgehalten werden, dass etwa ein gutes Viertel aller Händler, die den Marktplatz von Amazon nutzen, aus Fernost stammen.

Grundsätzlich handelt es sich bei Amazon um eine idealtypische Form des so genannten freien Marktes und alles könnte wunderbar schön und eitel Sonnenschein sein, denn angeblich werden hier die Händler von den betreffenden Algorithmen bevorzugt, die den besten Preis, den besten Kundenservice und die beste Qualität bieten, nur sollte auch bedacht werden, dass sich gut und billig eben schlecht unter einen Hut bekommen lässt. Außerdem wird jeder für sich Erfolg anders definieren.

Dabei bringt der Kampf ums Ranking doch auch wirklich kreative Ideen hervor, durch die dann unter dem Deckmantel des so genannten ehrbaren Kaufmanns versucht wird, ein paar Plätze weiter nach vorne zu kommen. Dabei lässt es der eine odere schon nicht mehr an krimineller Energie fehlen, denn einige der Methoden, die da genutzt werden, sind mehr als nur zweifelhaft. Von einigen Betroffenen wird daher angemerkt: „Jeder, der erfolgreich auf dem Amazon-Marktplatz verkauft, hat ein Fadenkreuz auf dem Rücken.“

Neue Betrugsformen bei Amazon?

Dabei zielen die Manipulationen gar nich so sehr auf die Stärkung der eigenen Position gegenüber den anderen Marktteilnehmern ab, sondern sind teilweise regelrecht bösartig und darauf ausgerichtet, das Verkäuferkonto der Wettbewerber durch Amazon sperren zu lassen. Um dieses Ziel zu erreichen werden höchst fragwürdige Mittel und Methoden angewendet. Zudem ist es nicht nur ärgerlich, wenn man Opfer einer solchen Attacke wird, sondern schlicht und ergreifend geschäftsschädigend und teilweise existenzgefährdend. Wie ein Beitrag auf dem US-Internetportal The Verge zeigt, sind  es zu großen Teilen nämlich wirklich die eigenen Regeln des Onlinemarktes Amazon, die es erst ermöglichen, solche Manipulationen auch wirklich durchzuführen.

Doch um welche Methoden geht es konkret?

(1) Die Fünf-Sterne-Falle

Wer plötzlich über Nacht nur noch Top-Bewertungen bekommt sollte aufmerksam werden, denn hier sind nicht plötzlich alle Kunden zufrieden. Meist sind diese gefälscht und von der Konkurrenz „verabreicht“, damit man Amazon anschließend auf genau diesen Punkt hinweisen kann, wobei die Sprache eindeutig nach Copy-and-Paste klinkt, so dass es wirklich wirkt, als hätte man sich diese Bewertungen erkauft. Wird Amazon auf diesen Umstand aufmerksam erfolgt keine Abmahnung, sondern binnen Kürze die Sperrung des Accounts.

(2) Umklassifizierung von Produkten

Eine weitere beliebte Methode ist es aber auch, Produkte der Konkurrenten einfach umzuklassifizieren, so dass sich beispielsweise der Wasserkocher beim Spielzeug für Erwachsene befindet. Dabei wird dann der Eintrag so manipuliert, dass sowohl Bild als auch Text und Produkt nicht mehr stimmig sind. Hier wird es dann recht bald zu negativen Bewertungen und einer Sperrung des Händleraccounts kommen. Zudem ist es eine beliebte weitere Methode, die Produkte beispielsweise bei den Sex Toys zu parken, da diese Rubrik eine breite Verkäuferschicht generell ausschließt. Hier haben nämlich – unabhängig von ihrem Alter – ausschließlich Personen Zugriff, die wirklich mal nach solchen Toys gesucht haben und somit durch den Klick auf einen Button bestätigen mussten, dass sie wirklich über 18 sind. Aber auch noch weitere Optionen bestehen in diesem Zusammenhang.

(3) Feuerteufel und Fälschungsvorwürfe

Ebenso kommt es immer häufiger vor, dass beispielsweise gefälschte Fotos von Fake-Explosionen irgendwelcher Produkte die Runde machen oder Händler gezielt mit falschen Verdächtigungen aus dem Marktplatz gemobbt werden, um nur einige Dinge auf den Punkt zu bringen ohne zu sehr ins  Detail zu gehen. Dabei gipfelt das Ganze nicht selten in einem Anschwärzen der verhassten Wettbewerber bei Amazon, so dass der Konzern den Marktteilnehmer meist ohne Prüfungen und Begründungen einfach sperrt.

Amazon lässt seine Partner im Stich!

Um es kurz zu machen und nicht unzählige Beispiele im Detail aufzuführen, kann angemerkt werden, dass Amazon zwar angeblich alle Rechtsverstöße welcher Art und Weise ahndet, betroffene Händler aber regelmäßig alleine lässt und deren Konten einfach sperrt. Hier kann den betreffenden Unternehmern eigentlich nur geraten werden, sich eine andere Handelsplattform zu suchen, bis Amazon mal wieder Vernunft annimmt und die Schwachstellen im eigenen Haus beseitigt, statt zu Unrecht seine Partner zu verdächtigen. Noch ist Amazon zwar eine der größten Handelsplattformen, dass bedeutet ja aber nicht, dass dies auch so bleiben muss, wenn die Händler in Scharen abwandern. Vielleicht führt das dann mal zum Nachdenken und vor allem Nachprüfen in der Konzernspitze.

Kann bei Amazon wirklich jeder jeden „anklagen“?

Offensichtlich ja, obwohl man die Nachricht „Jemand hat mich hereingelegt“ im Konzern gar nicht so gerne hört. Nun hat man als Händler lediglich zwei Möglichkeiten: Entweder man gibt selber klein bei, weil man eventuell meint auf Amazon angewiesen zu sein, macht den eigentlichen Markeninhaber aus und bittet diesen um eine schriftliche Bestätigung der Verkaufserlaubnis gegenüber Amazon. Oder man wendet sich von dem Marktplatz ab und nutzt andere – vielleicht sogar mehrere – Präsenzen, denn natürlich muss Amazon bei einem solchen Verhalten nicht der Gigant bleiben, der er eigentlich nur durch seine Händler geworden ist. Der eigene Einzelhandel von Amazon weist ja erheblich weniger rosige Zahlen auf. Eine Wiederherstellung des Accounts bedeutet ja nicht, dass sich Vorfälle dieser Art nicht wiederholen können und so lohnt sich wirklich die Prüfung, ob man mit einigen kleineren Marktplätzen nicht eine sinnvolle Risikostreuung vornehmen und Amazon ganz oder teilweise ersetzen kann. Zumindest würde es die Abhängigkeit von dieser Plattform masiv verringern, denn vor Vorfällen dieser Art scheint bei Amazon ja niemand sicher zu sein, was schon alleine aus dem Grund so ist, da das Unternehmen nicht gewillt erscheint, die eigentlichen Täter zu bestrafen und lieber den Weg des geringsten Widerstandes wählt und seine eigenen Partner ausschaltet bzw. zumindest bei der Ausschaltung hilft. Dafür sollte sich jeder Unternehmer zu schade sein!

Die Geister, die Amzon rief

Irgendwie scheint Amzon zum Opfer der eigenen Regeln und guten Vorsätze zu werden, denn der Konzern muss ständig neue Regeln kreieren, um die Auswüchse dessen zu bekämpfen, was man in der Rechtssprechung als Bedrohungswettbewerb bezeichnet. Allerdings verkehrt sich hier offenbar jeder Versuch des Unternehmens, ein Fehlverhalten der Nutzer zu sanktionieren, schnell wieder ins Gegenteil, so dass hier wieder andere Nutzer bedroht werden. Um so offener und einsichtiger das System ist, um so schneller können zwielichtige Nutzer hier agieren, wobei mittlerweile auch das Programm unterlaufen wird, das Amazon erst 2017 zur Markenregistrierung und zum Fälschungsschutz von Produkten eingeführt hat. Es wirkt wie ein Witz, wenn man sich überlegt, dass dieses Programm nur dazu eingeführt wurde, dass Händler ihre eigenen Marken verkaufen und bei erfolgten Markenrechtsverletzungen den betreffenden anderen Händler sperren lassen können. Das Ergebnis, das man jetzt sieht, ist nämlich nichts anderes als eine besonders fiese und perfide Art des Betrugs.

Kapern von Marken und Accounts

Das Kapern von Marken und ganzen Accounts scheint bei Amazon ebenfalls möglich und weist auf weitere Schwachstellen im System hin, wie einige Beispiele belegen, auf die jetzt aus Platzgründen nicht im Einzelnen eingegangen werden soll. Ganz offensichtlich sieht sich Amazon hier ebenfalls damit überfordert, erstmal zu püfen, welche Leistungen in welcher Form seit wann vorliegen und sperrt die Accouts lieber mal wieder gleich. Dabei hat diese Art von Betrug jetzt massive Ausmaße angenommen, die sogar das US-Patentamt zu einer Handlung und Stellungnahme veranlasste. Dieses gab bekannt: Das „offenbar unautorisierte Änderungen in der Datenbank vorgenommen würden, um diese Marken anderer Besitzer in „dritten Markenregistern“ (i.e. Amazon) zu registrieren.“

Was ist passiert?

Scheinbar war es einigen Nutzern gelungen, die Mailadressen von Wettbewerbern im betreffenden Markenregister zu ändern, wobei aber auch angemerkt sein sollte, dass dieses interessanterweise ohne einen Passwortschutz funktioniert. Sie nutzten die neue Emailadressen dann selbst, um bei Amazon Marken zu registrieren.

Zunahme der Betrugsfälle

Zum Beispiel wird Cynthia Stina von The Verge zitiert: „Früher hatten Händler, die von Amazon gesperrt wurden, fast immer irgendetwas falsch gemacht – und sei es nur aus Naivität“. Heute scheint das anders zu sein, denn die Beraterin, die drauf spezialisiert ist, gesperrten Nutzern wieder auf die Plattform zu verhelfen, sieht gehäuft Fälle, in denen der betreffende Nutzer tatsächlich unschuldig ist und zwar auch gemäß den strengen Konzernregeln von Amazon. Er wurde schlicht und ergreifend ein Opfer von Betrügereien, denn wie Stine weiter sagt: „Jeder, der erfolgreich auf dem Amazon-Marktplatz verkauft, hat ein Fadenkreuz auf dem Rücken“. Drohungen, wie „Ich werde Deinen Laden schließen lassen.“, sind dabei derzeit an der Tagesordnung. Diese Statements werden zudem auch von diversen Rechtsanwaltskanzleien in Deutschland und verschiedenen weiteren Ländern bestätigt, die sich mit Amazonhändlern konfrontiert sehen, die gegen Sabotagen dieser Art klagen möchten. Dabei betrifft diese Sabatoge nicht nur die Anbieter von so genannten Luxusgütern, denn zu den betroffenen Sellern gehören auch Händler ganz alltäglicher Gebrauchsgegenstände, wie USB-Kabel. Dabei sitzen die Drahtzieher nicht selten in Fernost, aber auch in Europa oder den USA gibt es den einen oder anderen unseriösen Händler. Wirklich sicher ist eigentlich niemand, da Amazon nicht gewillt ist zu prüfen und einzuschreiten, sondern die dortigen Mitarbeiter lieber Dienst nach Vorschrift machen statt mitzudenken.

Erpressungen an der Tagesordnung

Dabei gibt es derzeit schon ganz aktuelle und direkte Erpressungen, die dann mit dem Satz enden: „Ich lasse Deinen Laden schließen“. Dieser Satz wirkt so ganz und gar nicht chinesisch und weist eher auf einen deutschen Schreiber hin, wobei er natürlich in jede Sprache der Welt übersetzt werden könnte. Oftmals hat dies dann tatsächlich die angedrohten Konsequenzen zur Folge, ohne dass man sich bei Amazon darum kümmert, was denn nun wirklich los ist. In einem solchen Fall sollte man als Händler wirklich die Konsequenz ziehen und sich einen Marktplatz suchen, der vielleicht weniger stark requentiert und dafür professioneller geführt wird, ohne dass Betrügern – aus welchem Land auch immer – durch die Inkompetenz diverser Mitarbeiter Tür und Tor offen steht. Scheinbar kennt Amazon seine eigenen Systeme so schlecht, dass die Führung des Unternehmens glaubt, das Statistiken nicht beeinflusst werden könnten. Ignoranz sollte bestraft werden und sei es durch das Abwandern der Handelspartner. Und auch ein Händler auf Amazon muss sich nicht alles bieten lassen, denn der Marktplatz des Konzerns ist natürlich kein rechtsfreier Raum. Sollte Amazon nicht eingreifen können oder wollen, werden es früher oder später eben andere tun.

Behinderungswettbewerb in klassischer Form

Letzten Endes müssen sich betroffen Händler aber auch auf und bei bzw. durch Amazon nicht alles gefallen lassen, denn wenn der Konzern sich nicht in der Lage sieht, für ein ordentliches Arbeitsklima zu sorgen, gibt es auch noch weitere Möglichkeiten, die betroffene Nutzer wahrnehmen können. So handelt es sich in den oben genannten Fällen einer unberechtigten Beschwerde beispielsweise um einen klassischen Fall des so genannten Behinderungswettbewerbs gemäß dem §4 Nr. 4 UWG mit allen damit verbundenen Ansprüchen auf Unterlassung und sogar Schadensersatz zu Gunsten des betroffenen Händlers. Diese kann er dann über seinen Rechtsanwalt und mit Einhaltung des jeweiligen Rechtsweges im Zuge eines gerichtlichen Abmahnverfahrens durchsetzen lassen. Darüber hinaus ist der Täter verpflichtet eine Unterlassungserklärung abzugeben. Tut er dies nicht, so kann hier eine einstweilige Verfügung beim zuständigen Gericht beantragt werden.

Oftmals muss es soweit aber gar nicht erst kommen, denn in vielen Fällen genügt schon ein anwaltliches Schreiben und die Androhung weiterer rechtlicher Schritte. Von eigenen Mails sollte man hier besser absehen, da der Täter diese meist nur belächeln würde und in der Regel ohnehin nicht ernst nimmt. Vor allem dann, wenn Plagiatsvorwürfe im Raum stehen, sollte immer anwaltlicher Beistand in Anspruch genommen werden. Sollte der Gegner aber tatsächlich aus dem asiatischen Raum oder anderweitig außerhalb Europas ansässig sein, so ist die Durchsetzung aber natürlich trotzdem schwierig, so dass sich die Schadensersatzansprüche auch gegen Amazon selbst richten können, was aber im Einzelfall zu prüfen wäre. Ein Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz oder IT-Recht kann zudem direkte Empfehlungen abgeben, was der betreffende Händler in seinem individuellen Fall tun kann, um sich künftig vor Angriffen dieser Art zu schützen, so dass sich eine Rechtsberatung auf jeden Fall empfiehlt.