Die Dienstleister der Genossenschaftsbanken sehen große Probleme bei Zahlungsvorgängen mit Online-Banken, die betroffenen Institute wehren sich.

Das Handelsblatt warnt vor Betrug beim Onlinebankink. Wir wussten bislang lediglich von Einzelfällen. In den vergangenen Wochen hatte sich immer mal wieder hier und dort die ein oder andere Volksbank und auch Sparkasse über sogenannte Smartphonebanken wie N26 oder Fidor  beschwert. Der Vorwurf an diese Unternehmen ist sehr deutlich, denn diese würden nicht genug tun, um zu verhindern, dass die Kunden betrogen werden.

Aus dem Sektor der Genossenschaftsbanken sprechen nun zwei Rundschreiben dafür, dass die angesprochene Problematik doch deutlich größer ist, als bisher angenommen wurde. Das Schreiben berichtet von steigenden Schäden beim Onlinebanking und auch davon, dass bei den Smartphonebanken falsche Konten eine sehr gewichtige Rolle bei der Sache spielen.

Die genossenschaftliche R+V Versicherung sichert solche Schadensfälle für die Volks- und Raiffeisenbanken wie durch den Online-Banking-Betrug ab, versendete Anfang Juni einen Brief mit der Überschrift: „Drastische Zunahme von Schäden bei Zahlungsvorgänge im Online-Banking.“

Nicht nur die Fälle, sondern auch die Schadensbeträge seien erheblich angestiegen. Die Beträge sind deutlich höher als es in den vergangenen Jahren der Fall war, so die aktuelle Information bei dem Handelsblatt.

Quelle:   https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/smartphone-banken-service-firmen-der-volksbanken-warnen-vor-mehr-betrug-beim-online-banking/24486382.html?ticket=ST-21792-c0yiSad6AdaNYTnfFseJ-ap3

Service-Firmen der Volksbanken warnen vor mehr Betrug beim Online-Banking

Eine R+V-Sprecherin berichtet auf Anfrage, dass diese im Jahre 2019 mittlerweile schon knapp 300 Schäden zu verzeichnen haben.Momentan liegt die Summe bei etwa fünf Millionen Euro. Dies übertreffen bereits jetzt schon deutlich den Durchschnitt der vergangenen drei Jahre, denn da betrug die Summe 350.000 Euro.

Bei diesem Informationspapier wird explizit Bezug auf Smartphonebanken genommen. Dabei schildert der Versicherer das Vorgehen dieser Betrüger, welches in den meisten Fällen angewendet worden ist. Oft errichten die Betrüger bei den Direktbanken wie beispielsweise N26 oder Firdor ein Konto unter einem fiktiven Namen, welches oftmals im Video-Ident-Verfahren geschieht. Anschließend werden Zugangsdaten der Volksbank Kunden ausgespäht und eine betrügerische Überweisung auf das gefälschte Konto ausgeführt. Die Sprecherin der R+V-Versicherung erklärt, dass es den Betrügern trotz der Warnhinweise vermehrt gelingt, an die Zugangsdaten zum Onlinebanking der Kunden zu gelangen. Es werden insbesondere die mobileTan-Verfahren zu Lasten der Kontoinhaber missbraucht.

Eine Service-Gesellschaft mit dem Namen DZ Compliance Partner haben in der vergangenen Woche einen ähnlichen Hinweis für kleinere Volks- und Raiffeisenbanken für den Dienstleistungsbereich Geldwäsche- und Betrugsprävention heraus. Da hieß es, dass es zur Zeit wieder vermehrt zu Betrügereien im Bereich der Direktbanken beziehungsweise insbesondere Finanz-Start-Ups kommt, die zu Gunsten von Konten der Betrüger seien.

Im Handelsblatt steht ein Hinweis geschrieben, in dem es sinnvoll ist, im Einzelfall die Transaktion erst durch eine telefonische / persönliche Rückbestätigung des Kunden zu tätigen.

DZ Compliance Partner hat in sein System einen altersbezogenen Hinweis eingestellt, dass von den insgesamt 875 deutschen Genossenschaftsbanken etwa 350 – 400 Nutzen und Zugriff auf dieses haben. In Finanzkreisen wird angegeben, dass solche Hinweise der Finanzaufsicht Bafin generell aus Presseberichten hervorgehen.

Die Bafin hat Zahlen offen gelegt, dass dieses Jahr vermehrt Probleme in Bereich der Onlinebanken zu finden sind. Es habe bereits 3.497 Kundenbeschwerden bis zum 18. Juni des laufenden Jahres gegeben. Fast ein viertel dieser Beschwerden, genau genommen 839, haben sich um Online- oder auch Direktbanken gedreht, gibt eine Bafin Sprecherin an, Ein Jahr zuvor lag die Beschwerdeanzahl in diesem Bereich noch bei knapp 19 Prozent.

Die Behörde hat im Laufe des Jahres vermehrt Beschwerden zu Direktbank-Konten und deren Abwicklung von betrügerisch veranlassten Zahlungen bekommen und befasst sich nun mit dem Thema. Ein weiteres Thema, welches an die Bafin herangetragen wurde, waren die Erreichbarkeit wie auch die Geschwindigkeit der Bearbeitung bei der Abwicklung von Geschäftsvorgängen.

Doch nicht nur die Berliner Smartphonebank N26 war von den betrügerischen Kontoeröffnungen betroffen, wie die Polizei in Niedersachsen Mitte April mitteilte. Zur Eröffnungserschleichung werden aber auch die Direktbanken Fidor (Deutschland) und Bunq (Niederlande) genutzt. Bei der Polizei gehen aufgrund dessen immer mehr Anfragen und Anzeigen ein, da die Banken auch als Zielkonto für Online-Betrüger genutzt werden.

Problemfälle bei N26

Bei N26 wurden laut dem Landeskriminalamt Niedersachsen vermehrt Problemfälle entdeckt, ebenso bei Bunq und Fidor. Laut dem Handelsblatt werden aber vor allem die Konten von N26 von den Betrügern genutzt.

Es besteht aber ein weiterer Vorwurf der Genossenschaftsbanken gegen die N26. Die Vorwürfe lautem, dass die Bank nicht schnell genug erreichbar ist, denn nur so wäre es auch möglich, Betrugsfälle zu verhindern. Um eine Überweisung zurück zu rufen, gibt es nur ein kurzes Zeitfenster, denn die Betrüger leiten das Geld „schnellstmöglich“ weiter, berichtet das Schreiben der R+V. Die Direktbanken sind oftmals nur schlecht erreichbar und dadurch sei es noch schwerer. Oftmals dauert die Kontaktaufnahme Tage, sei es telefonisch, per Fax oder auch via Internet.

Die Warnhinweise der R+V wie auch der DZ Compliance Partner haben sich für ihre Warnung jedoch einen bemerkenswerten Zeitpunkt ausgesucht, denn diese stammen aus dem Monat Juni. N26 ist ein Finanz-Start-Up was sich mittlerweile schon einen Kundenstamm von 3,5 Millionen aufgebaut hat. Im April hat dieses Unternehmen Probleme eingeräumt und auch Besserung versprochen, nachdem der Bericht des Handelsblattes erschienen war.Doch eine der größten deutschen Privatbanken prangert jedoch noch immer an, dass N26 nach wie vor dafür bekannt sei, dass es bei der Kommunikation mit anderen Banken nach wie vor Probleme gibt.

Smartphonebanken wehren sich

Jedoch wehren sich die angeprangerten Onlinebanken gegen die Vorwürfe der Konkurrent. Max Schertel, der Leiter der Business Operation bei N26 versichert dem Handelsblatt, dass die Verifikationsstandars sicher sind und diese auch kontinuierlich weiter entwickelt werden. Die Online-Verifikationsverfahren seien laut einer Sprecherin genauso sicher wie es die anderen Legitimationsverfahren im Banking auch seien. Wer ein Konto eröffnen möchte,k der muss mehrere Sicherheitsstufen durchlaufen.

Bafin hatte der Bank N26 allerdings vor kurzer Zeit Auflagen gemacht, dass diese eine bestimmte Zahl ihrer Bestandskunden erneute zu prüfen hätten und die Prozesse, wie auch Arbeitsabläufe schriftlich festhalten müssen, denn der Behörde reichten die bisherigen Kontrollen für Geldwäsche nicht aus.

Fidor Bank betroffen

Die Fidor Bank gab zwar an, dass auch diese von gelegentlichen betrügerischen Kontoeröffnungen betroffen seien, jedoch habe sich die Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen in den letzten zwei Jahren immer wieder verbessert und fahre damit einen „sehr erfolgreichen“ Kurs.

Im Jahre 2019 seien in den Monaten Januar bis Mai mehr als 99 Prozent der eröffneten Konten „unbelastet“ gewesen. Fidor habe den Anspruch, die 100 Prozent bei den Kontoeröffnungen zu erreichen und diese von missbräuchlichen Mustern frei zu erhalten.

Die Banken wehren sich ebenso gegen den Vorwurf, dass diese zu lang brauchen würden, um bei Kontaktaufnahme zu reagieren. Der N26 Manager Schertel räumt ein, dass es Probleme bei der Erreichbarkeit gab, jedoch sind diese mittlerweile behoben worden und alle Telefonnummern sind einwandfrei erreichbar, vor allem diese, die sich speziell auf das Thema Zahlungsverkehr und Geldwäsche verlegt haben. Dadurch werden auch Anliegen noch am gleichen Tag bearbeitet.

Die zuletzt bekannten Beschwerden von N26 bezüglich der Erreichbarkeit, sind Fälle, bei denen sich die Kunden im Kundensupport gemeldet hätten. In dieser Abteilung braucht die Bearbeitungszeit allerdings länger als es bei den Spezialnummern für Banken der Fall sei.

Schertel gibt an, zwei Fälle zu kennen, in denen es Probleme mit der Fax Nummer des Interbankenbandes gegeben habe. Dies ist eine Hotline speziell für Banken untereinander. Dafür sei der Grund jedoch in technischen Problemen zu finden, diese seien aber mittlerweile behoben worden.

Auch die Fidor Bank gibt an, sowohl für andere Banken wie auch für ihre Kunden und Dritte telefonisch und per E-Mail problemfrei erreichbar zu sein. Wenn andere Banken mit ihnen in Kontakt treten möchten, dann können sie dieses über weitere E-Mail-Adressen und Telefonnummern der Compliance Abteilung des Unternehmens. Diese seien anderen Banken auch bekannt. Ein Sprecher gibt an, dass diese Telefonleitungen und Rechner durchgehend besetzt wären. Andere Volksbanken nutzen diese Kanäle auch regelmäßig, um sich gegenseitig mit Informationen zu versorgen.

Deutsche Banken reagieren sehr sensibel auf Betrugsfälle, wie eine lange Liste von Beispielen anzeig. Eine Helaba-Sprecherin teilte mit, dass die Landesbank in Hessen-Thüringen (Helaba) in jüngster Zeit einen Stopp für die Echtzeiteinzahlung zu der Smartphonebank Bunq erlassen hätte. Im Normalfall brauchen Standardüberweisungen einen Arbeitstag. Der Echtzeitzahlungsverkehr wurde aufgrund eines Betrugsfalls eingestellt.

Für eiinen Großteil der knapp 400 deutschen Sparkassen wickelt die Helaba den Zahlungsverkehr ab. Bei der Smartphonebank Bunq sei es auf die Helaba Dienstleistungen zu einem größeren Phishing-Angriff gekommen. Bunq tut alles in seiner Macht stehende, um Betrug zu entdecken, einzudämmen und auch zu verhindern.

Aufgrund dessen habe man nun zusätzlich zusammen Maßnahmen ergriffen, wie nun sowohl Sparkassen- wie auch Bunq-Kunden geschützt werden können. Nun warte man nur noch auf die Bestätigung von Helaba, dass alle Zahlungen wieder in Echtzeit ablaufen würde. Jedoch wollte sich Helaba zum aktuellen Stand nicht äußern.

Im Bereich der Genossenschaftsbanken will nun eine stetig wachsende Anzahl von Instituten sicher gehen. Eine Sprecherin der R+V-Versicherung erklärte, dass man die Banken mithilfe des Schreibens für Risiken sensibilisieren wolle. Im genossenschaftlichen Sektor sind nun alle inzwischen alarmiert und versuchen, gegen die aktuelle Entwicklung gegen zu steuern.

Auch einzelne Häuser beteiligen sich daran. Der Vorstandssprecher der Volksbank in Düsseldorf Neuss, Rainer Mellis, berichtet davon, dass es in diesem Jahr drei betrügerische Zahlungen gegeben habe. Die jüngste dieser Zahlungen liege etwa zwei Monate zurück. Das Empfängerkonto lag in allen Fällen bei N26. Seitdem wird bei N26, wie auch bei anderen Smartphonebanken auf Nummer Sicher gegangen und zusätzliche Überprüfungen vorgenommen, gab Mellis an.

Im Klartext bedeutet dies, dass sich vor jeder Ausführung einer Transaktion bei der Bank des Kunden rückversichert wird. Der Banker gibt an, dass dadurch zwar der manuelle Prüfungsaufwand erhöht wird, aber das es auch für die notwendige Sicherheit sorgt.

„Schwarze Liste“

Die Volksbank in Köln Bonn mache dies seit Wochen nicht anderes. Wenn Überweisungen auf Konten von N26 Kunden gehen, dann sichern diese sich ebenfalls noch mal durch eine Rückfrage ab, ob die Transaktion echt ist, sagt ein Sprecher des Geldhauses. Seit Februar gehe so auch die VR-Bank-Rhein-Sieg vor wie der „General-Anzeiger“ zuvor berichtet hatte.

Auch die Volksbank Rottweil habe ein ähnliches Vorgehen dem Handelsblatt vor kurzem geschildert. Nach den Worten von Vorstandschef Henry Rauner steht die N26 in Rottweil auf einer „Schwarten Liste“. Somit wird bei jeder Überweilung an ein N26-Konto noch einmal beim Kunden explizit nachgefragt, ob die Überweisung vom Kontoinhaber auch wirklich ausgelöst worden ist, erklärt Rauner. Grund dafür liegt bei der N26 selbst, da diese auf das Vorgehen eines Betrugsfalls mehrere Tage absolut nicht reagiert hatten.

Die Sperre von Überweisungen an Smartphonebanken wie N26, Fidor, Bunq, Revolut und Solarisbank hat die Volksbank in Freiburg wieder aufgehoben. Grund für die Sperre waren auch hier Betrugsfälle, die Bank hatte den Zahlungsverkehr zeitweise eingestellt. In den letzten vier Wochen habe es vereinzelt noch Fälle gegeben, wo Betrüger auf das Konto von Kunden und dem Geld zugegriffen haben, erklärte ein Sprecher der Volksbank.

Der Sprecher wollte jedoch nicht sagen, ob das Geldhaus die Überweisungen an Smartphonebaken noch einmal zur Sicherheit der Kunden überprüft und diese im Falle einer Überweisung noch einmal kontaktiert.