Erträge ihres Vermögens wurden nicht korrekt in Deutschland angegeben

Behörden aus NRW haben sehr häufig Datenträger gekauft, auf denen sich Informationen über Personen befanden, die die Erträge ihres Vermögens in der Schweiz nicht korrekt in Deutschland angegeben haben, das berichtet die Westdeutsche Zeitung.

Hat ein Betrüger hierbei ein Mitgefühl verdient, wenn er bei seinem betrügerischen Tun von einem anderen Beteiligten dann ebenfalls noch betrogen wurde? Diese Frage muss man sich angesichts der hunderttausendfach getätigten Geschäfte schon einmal stellen. Hierzu zählen dann meist Steuerverkürzungen, bei denen die Steuerhinterzieher meist als Steuersünder bezeichnet werden. In Wahrheit sind dies aber Straftäter, die sich zu Lasten von anderen Menschen die Taschen selbst vollmachen. Jeder Euro, der von ihnen zurückgehalten wird, muss schließlich von anderen ehrlichen Steuerzahlern zur Finanzierung des Gemeinwesens aufgebracht werden.

Quelle.   https://www.wz.de/wirtschaft/schweizer-schwarzgeld-wenn-der-betrueger-selbst-betrogen-wird_aid-38711747

Schweizer Schwarzgeld – Wenn der Betrüger selbst betrogen wird

Steuer CDs

Bilanz Plus NRW hat insgesamt 11 Datenträger mit verschiedenen Informationen über die Steuerhinterzieher beschafft. Dafür haben sie rund 19,4 Millionen EUR ausgegeben. Seit dem Frühjahr 2010 gab es etwa 120.000 Selbstanzeigen von Steuersündern. In NRW waren dies alleine rund 24.000 Personen. Durch die Finanzverwaltung sind damit bundesweit etwa 7 Milliarden Euro an Mehreinnahmen für das Finanzamt entstanden. Davon alleine in NRW rund 2,7 Milliarden Euro.

Eben vor allem diese Steuerbetrüger, was auch Anleger umfasst, die das Geld in der Schweiz angelegt haben und die Kapitalerträge dann ordnungsgemäß versteuert haben, sind mehrfach von verschiedenen Banken in der Schweiz selbst betrogen worden. Dabei geht es um sogenannte Retrorezessionen. Hierbei handelt es sich um Provisionen, die eigentlich dem Kunden der Bank zustehen. Die Banken behalten diese jedoch meist für sich. Die Anbieter von Fonds, Zertifikaten und anderen Finanzprodukten bezahlen diese den Banken für die Vermittlung des Geschäfts. Das sind verdeckte Zahlungen, die auch Kickbacks genannt werden. Dies führt in der Regel dazu, dass ein Bankberater eher die Produkte empfiehlt, dessen Vermittlung für ihn selbst die beste Provision bringt. So hat er dabei weniger das Interesse des Bankkunden im Blick, als eher das eigene Finanzinteresse. Das Schweizer Bundesgericht hat daher im Jahr 2012 entschieden, dass solche Retrorezessionen daher dem Kunden zustehen. Dieser hat einen Anspruch auf Herausgabe der Provision und kann diese einfordern.

So kann ein solcher Anspruch schon ansehnliche Dimensionen haben, wie Elisabeth Bachbauer hierbei versichert. Diese ist Sprecherin von Liti-Link, einem Rechtsdienstleister im Schweizer Kanton St. Gallen. Dieser hat sich auf das Durchsetzen von Ansprüchen aus diesen Retrorezessionen spezialisiert und vertritt derzeit ca. 450 Fälle davon.

So schildert Bachbauer den Fall eines Mandanten wie folgt: Der Mann hatte im Jahr 2013 von seinem Onkel ein Schweizer Konto geerbt. Dieser hatte darauf rund 670.000 EUR Schwarzgeld angelegt. Der Erbe erstattete daraufhin Selbstanzeige und führte nachträglich alle relevanten Steuern an den deutschen Staat ab. Alsdann hörte er im Jahr 2018 zum ersten Mal von der Retrorezession. So hatte die ehemalige Schweizer Bank seines Onkels zu Unrecht mehrfach Provisionen einbehalten. Diese hätten eigentlich seinem Onkel zugestanden und wurden demnach nicht ausbezahlt. Da er auch diese Ansprüche vererbt bekommen hatte, ließ er dann die zu Unrecht einbehaltenen Provisionen wieder zurückfordern. Dies war eine stolze Summe von 76.000 EUR. Ein Teil der Forderungen war zwar zum Teil verjährt, allerdings konnte der Rechtsdienstleister hier noch rund 27600 EUR an Provisionen zurückfordern. Nach Abzug aller dafür angefallenen Kosten und der Erfolgsbeteiligung für Liti-Link (35%) blieben so immerhin noch 16900 EUR.

Geld stinkt bekanntlich nicht, dies gab schon der römische Kaiser Vespasian bekannt

Auch in der heutigen Finanzwelt ist es so, dass nicht immer alles fair und korrekt abläuft. Hierbei jagen die einen die anderen und so gibt es einige, die sich per Selbstanzeige gerade noch einmal die Hände in Unschuld waschen können. Durch gute Rechtsexperten können diese sich dann einen Teil des Geldes, der abgegeben wurde, durch solche Forderungen wieder holen. Interessant hierbei ist sicherlich zu erfahren, wie der Mann darüber denkt, der sich das Aufdecken von Steuerbetrug zu einer Art Lebensthema gemacht hat und zugleich nicht müde wird für eine Steuergerechtigkeitslobby zu trommeln.

Die Rede ist von Norbert Walter-Borjans, SPD Finanzminister im Jahr 2017 in NRW. Dieser hatte bekanntlich mehrfach verschiedene Steuer CDs mit Daten von Steuerbetrügern aufkaufen lassen. Damit hatte er nicht nur für eine hohe Anzahl an Strafverfolgung gesorgt, sondern auch eine hohe Anzahl von Selbstanzeigen initiiert. Zu den Forderungen und damit verbunden den Retrorezessionen sagte er nur, dass ihm immer eine gewisse Hehlerei vorgeworfen würde. Allerdings würden laut seiner Ansicht nicht diejenigen Hehlerei begehen, die Straftaten aufdecken, sondern die, die die verzwickte Lage der Steuersünder ausnutzen und damit noch Beute verlangen. So macht das Einbehalten von Retrorezessionen wieder mal deutlich, wer bei der Hinterziehung von Steuern zudem noch Geld verdient. Die Rede ist hierbei natürlich von den Banken, die damit noch Kasse gemacht haben. So haben sich die Banken ihre Vertuschungsdienste sehr gut bezahlen lassen.

Warum es dennoch nur wenige Betroffene wagen, den Weg zu gehen und sich das Geld bei den Schweizer Banken zurückzuholen, hat laut Litilink Prokurist Matthias Spiegel verschiedene Gründe. Die Erfahrungen würden demnach zeigen, dass viele deutsche Anleger durch eine Selbstanzeige froh sind, das Kapitel der Anlage in der Schweiz endgültig abgeschlossen zu haben. Daneben schreckt der schwere Begriff der Retrorezession doch auch etwas ab. Wenn sich ein Anleger jedoch dann doch mit dem Thema auseinandergesetzt hat, werde dieser dann direkt von Banken abgewimmelt und mit einem schlechten Gewissen nach Hause geschickt. So sorgt dies insgesamt für eine schwierige Herangehensweise.