Systemumstellung der Volksbanken in OWL – Datenraub durch Kriminelle

Seit Montag haben die Volksbanken in OWL ein neues Kundenportal fürs Online-Banking. Betrüger nutzen dieses neue Kundenportal, um gefälschte Mails zu verschicken, das berichtet die Neue Westfälische. Dabei hoffen Sie auf leichtgläubige Kunden.

Quelle: Mit diesen Tricks arbeiten Betrüger

Kriminelle nutzen Systemumstellung der Volksbanken in OWL für Datenraub

Bielefeld. Zunächst sehen sie die E-Mails von der heimischen Volksbank täuschend echt aus. Die E-Mail weist ihre Kunden darauf hin, sich für das neue Kundenportal zu verifizieren. Erst beim genaueren Hinsehen wird deutlich, dass die Mail überhaupt nicht von der Volksbank verschickt wurde. Denn die E-Mail wurde von einer privaten Web.de-Mailadresse verschickt. Wer das zu spät bemerkt und auf den Link in der E-Mail klickt, ist bereits den Betrügern in die Falle gegangen.

Phishing-Mails sind nichts Neues

Um die E-Mail von der vermeintlichen Volksbank handelt es sich um eine sogenannten Phishing-Mail. Diese Art von E-Mail ist jedoch nichts Neues. Denn schon seit vielen Jahren versuchen Kriminelle durch Phishing-Mails an die Daten der Bankkunden zu gelangen. Und das alles im Namen der Bank. Was hingegen neu ist – die Betrüger werden immer professioneller.

Doch das perfide am aktuellen Fall ist, dass die Volksbanken in OWL und dem Münsterland tatsächlich seit dem Wochenende ein neues Kundenportal hat. So hätte die Betrugsmail tatsächlich von der Bank stammen können.

Gleich mehrere Volksbanken haben auf ein neues System umgestellt

Am Wochenende haben gleich mehrere Volksbanken auf ein neues System umgestellt. Dazu gehören die Volksbank Bielefeld-Gütersloh, die Volksbank Ostmünsterland (Harsewinkel), die Volksbank Halle und die Volksbank eG (Warendorf). Besonders für Kunden bedeutet dies eine ganze Reihe an Änderungen. So ist unter anderem der Log-In zum Online-Banking umstrukturiert, Überweisungen funktionieren anders und auch neue Smartphone-Apps müssen für das neue TAN-Verfahren genutzt werden.

 

Die Kunden der Bank wurden in den vergangenen Wochen mehrfach per Post und per Aushang in den Filialen über die Änderungen und das neue Kundenportal informiert. Genau dies haben die Betrüger offensichtlich ausgenutzt.

In der Phishing-Mail heißt es, dass am 14.04.2019 am Online-Kundenportal Aktualisierungen durchgeführt wurden, um den Kunden eine höhere Sicherheit bieten zu können. Auch heißt es weiterhin, dass eine Verifizierung der Daten der Kunden notwendig sei, um das Kundenportal weiterhin uneingeschränkt nutzen zu können. Im Anschluss an dem Text folgt ein Button zur Verifizierung. Wer nun allerdings seine Daten angibt, übermittelt diese nicht an die Volksbank. Die Daten gehen direkt an die Kriminellen.

Ein Volksbank-Mitarbeiter fordert niemals Kundendaten

Timo Klack von der Volksbank Halle sagt, dass dies schon eine sehr miese Nummer der Kriminellen sei. Auch sagt er, dass momentan tatsächlich alles anders aussieht im Kundenportal. Das Design vom Online-Banking sei zudem ebenfalls angepasst worden. Einigen Kunden könnte es also durchaus verwirren, wenn bei so vielen Informationen zum neuen System plötzlich eine E-Mail im Postfach landet.

Ebenso wenig erfreut über die neue Vorgehensweise der Betrüger ist auch Dennis Will von der Volksbank Bielefeld-Gütersloh. Jedoch erklärt er, dass man vorgesorgt habe. Man habe die Kunden auf der Website zur Systemumstellung über mögliche Angriffe informiert. Auch sagt er ganz deutlich, dass ein Mitarbeiter der Volksbank niemals einen Kunden telefonisch, per E-Mail oder SMS auffordern würde, Zugangsdaten preiszugeben. Sollte dies einmal der Fall sei, handle es sich immer um einen Betrug.

Bereits vor der Systemumstellung bei den Volksbanken in OWL hatten bundesweit viele weitere Volks- und Raiffeisenbanken ihre Online-Portale erneuert. Auch dort habe es Fälle von Phishing-Versuchen gegeben, so Timo Klack. So wurden die anderen Volksbanken also vorgewarnt. Auch die Volksbank Halle informiert auf ihrer Website über aktuelle Phishing-Mails. Der aktuelle Betrugsversuch will man dort ebenfalls bekannt geben.

Umgehend Konten und Karten sperren lassen

Im aktuellen Fall sei jedoch von tatsächlichen Betrugsfällen nichts bekannt. Klack erklärt jedoch, dass wenn man wirklich den Betrügern zum Opfer gefallen sei, sollte man umgehend seine Konten und auch Karten sperren lassen. In fast allen Banken gibt es dafür sogenannte Sperr-Notruf-Nummer, die unter 1116 116 zu erreichen ist. Neben der Sperr-Notruf-Nummer kann aber auch der Kundenberater der Bank weiterhelfen.

Phishing-Mails haben laut Aussage der Verbraucherzentrale immer einen nahezu ähnlichen Aufbau: Die Anrede, der Grund der Mailverschickung, die Notwendigkeit zum Handeln, der Zeitdruck, die Konsequenzen des Nichthandels und insbesondere einen Link oder alternativ einen Dateianhang.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt, lieber einmal zu viel misstrauisch zu sein, als einmal zu wenig. Betroffene sollten keinesfalls auf Links oder Anhänge klicken und auch nicht auf die E-Mail antworten.

Trend geht zur ethischen Bank

Bei vielen Privatbanken wird das Geld der Kunden in fragwürdige Wirtschaftszweige investiert wie unter anderem in Atomkraft, Nahrungsmittelspekulationen und Rüstungsgeschäfte. Darum geht der Trend immer mehr zur ethischen Bank. Dabei stellt sich die Frage, welchen Stellenwert das Thema eigentlich bei Kreditinstituten in OWL hat.

Oftmals spielen erhöhte Kontoführungsgebühren eine große Rolle, wenn sich Kunden für einen Bankwechsel entscheiden. Unter der Überschrift „Schluss mit den Gebühren“ geben viele Webseiten Tipps zum schnellen und flexiblen Wechsel des Kreditinstitutes. Auch präsentieren andere Webseiten die besten Alternativen zu den „Abkassier-Banken“.

Ethische Aspekte spielen in der öffentlichen Diskussion hingegen eher eine kleine Rolle. Wer sein Geld letztlich anlegt, finanziert mitunter fragwürdige Wirtschaftszweige automatisch mit. Darunter fallen unter anderem Atom- und Kohlekraft, Rüstungsunternehmen und Nahrungsmittelspekulationen. Man bedenke also immer, dass das günstigste Girokonto nicht immer auch das Beste ist.

Laut einer Untersuchung der Nichtregierungsorganisationen Facing Finance und Urgewald wurden fast 1,5 Milliarden Euro allein durch die Deutsche Bank von 2012 bis 2015 für Rüstungsfirmen bereitgestellt. 1,2 Milliarden Euro sind es bei der Commerzbank. Auch ING-DiBa, Unicredit/Hypovereinsbank und die Deutsche Postbank stehen für fragwürdige Investitionen in der Kritik.

Wechsel zur grünen Bank als Trend

Aus diesem Grund entscheiden sich immer mehr Bankkunden für einen Wechsel zur grünen Bank. Die GLS Bank aus Bochum beispielsweise hat sich zum Ziel gemacht, Kredite ausschließlich an Unternehmen zu vergeben, die nachhaltig wirtschaften. Allerdings sind dafür die Gebühren höher als bei der Konkurrenz. Ein Girokonto bei der GLS Bank kostet 60 Euro im Jahr plus monatlich 3,80 Kontoführungsgebühren.

Doch scheinen die höheren Gebühren den Kunden nicht zu stören. Viele Kunden zahlen sogar absichtlich oben drauf. Denn der Jahresbeitrag der Bank lässt sich freiwillig durch den Kunden erhöhen. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Kunden von 62.000 auf 215.000 gewachsen. Dabei ist die Bank aus dem Ruhrgebiet nicht allein. Für sauberen Umgang mit dem Geld der Kunden stehen auch die Ethikbank, die Triodos Bank und die Umweltbank. Dabei investieren all die Banken ausschließlich in soziale Projekte, ökologische Landwirtschaft und erneuerbare Energien. Auf Kreditkarten aus Plastik verzichtet dabei sogar die Triodos Bank. Dabei bietet sie eine Alternative aus nachwachsenden Rohstoffen an.

Zwischen Gut und Böse gibt es aber auch noch einen Mittelweg. Diesen Mittelweg finden Kunden unter anderen bei der Sparkasse, der Spardabank und der Volks- und Raiffeisenbanken. Grüne Banken gehen verantwortungsvoller mit dem Geld um als große Privatbanken, so berichtet die Website „Utopia“. Die ethischen und ökologischen Aspekte spielen bei Finanzaktivitäten dieser Banken jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Auch hier sei das Geld eines Kunden vor zweifelhaften Investitionen und Spekulationsgeschäften nicht sicher, erklären Nachhaltigkeitsexperten.

Nachhaltigkeit und ökologische Aspekte werden immer wichtiger

Eine Umfrage der nw.de bei Banken in der Region zeigt, dass das Thema dort nicht die allerhöchste Priorität hat. Jedoch werden die ökologischen Aspekte und die Nachhaltigkeit für den Kunden immer wichtiger. Dies bestätigen mehrere Pressesprecher auf Anfrage.

Gerade Sparkassen müssen bei dem Thema Nachhaltigkeit mit der Zeit gehen. Olaf Saage von der Sparkasse Paderborn erklärt, dass dies schon in der Natur der Sache liege. Das öffentlich-rechtliche Kreditinstitut handle nicht nur gewinn- sondern auch gemeinwohlorientiert. Genau dafür seien die Sparkassen vor über 230 Jahren gegründet worden. Laut Olaf Saage, sei das Geschäftsmodell der Sparkassen also per se bereits nachhaltig.

Auch bei den Volks- und Spardabanken sei dies ähnlicher Natur, erklärt deren Pressesprecher. Sie seien ihren Mitgliedern als Genossenschaftsbanken verpflichtet. Investitionen in fragwürdige Wirtschaftszweige schließen fast alle angefragten Banken ganz oder zumindest teilweise aus. Bei fast allen Banken haben die Kunden die Möglichkeit, ihr Geld ausschließlich „grün“ anzulegen. Kreditinstitute investieren zudem in nachhaltige Projekte.

Einige Beispiele

Seit 2009 hat die Volksbank Bielefeld-Gütersloh ein grünes Geschäftsfeld. Diese entwickelt nachhaltige Ideen und Projekte. Auch nachhaltige Geldanlagen gehören dazu. Außerdem achtet die Volksbank Bielefeld-Gütersloh darauf, dass von mitfinanzierten Vorhaben keine untragbaren Wirkungen und Risiken für Umwelt und soziale Belange ausgehen. Dabei schließt die Bank Investitionen in Atom- und Kohlekraft, Rüstungsgeschäfte oder Nahrungsmittelspekulationen komplett aus.

Kunden haben auch bei der Volksbank Bad Oeynhausen die Möglichkeit, in Aktien- oder Rentenfonds sowie Zertifikate mit Nachhaltigkeitsbezug zu investieren. Bereits im Vorfeld würden Unternehmen aus Branchen wie der Atomkraft, Gentechnik, Rüstungsindustrie oder Staaten, welche die Todesstrafe vollstrecken bei diesen Produkten ausgeschlossen werden. Auch werden die Nachhaltigkeitsaspekte bei der Kreditvergabe an Unternehmen berücksichtigt. Der Kredit wird im Zweifel nicht gewährt, wenn die Finanzierung eines Unternehmens einen negativen Einfluss auf die Umwelt habe oder aber ethisch bedenklich sei, so heißt es seitens der Volksbank.

Überhaupt keine gewerblichen Kredite vergibt hingegen die Sparda Bank Hannover, die die Region Ostwestfalen-Lippe abdeckt. Das Ziel der Genossenschaft sei ausschließlich die Förderung ihrer Mitglieder. Dabei werden ökologische Aspekte in einem normalen Maß berücksichtigt – auch im Unternehmen selbst. Jedoch investiere die Sparda Bank nicht konkret in nachhaltige oder ökologische Projekte. Aber die Stiftung der Bank fördere immer wieder einzelne Umwelt- und Naturschutzprojekte. Die Bank investiere aber nicht in Nahrungsmittelspekulationen und auch nicht direkt in Rüstungsgeschäfte oder in Atom- und Kohlekraft.

Die Sparkassen in OWL verweisen allesamt auf ihre Nachhaltigkeitsfonds bei der Deka-Bank. Diese haben den sogenannten „Europäischen Transparenz Kodex für Nachhaltigkeitsfonds des European Sustainable and Responsible Investment Forum“(Eurosif)“ unterzeichnet. Die Sparkassen in OWL können so ihren Kunden Investitionen in Unternehmen, die Umweltpolitik, Klimaschutz und soziale Verantwortung berücksichtigen, investieren. Die Sparkasse beteiligt sich als lokal tätiges Kreditinstitut nicht an Investitionen in Atom- und Kohlekraft, Rüstungsgeschäften oder aber Nahrungsmittelspekulationen.

Gemeinwohlorientierte Projekte und Strukturen fördere die Sparkasse Herford, so der Pressesprecher Peter Platz.

Der „Klimapakt Lippe“ wird durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse Paderborn unterstützt. Dies ist ein Projekt für gutes Klima in der Region.

Im Jahr 2016 habe die Sparkasse Bielefeld über Sponsoring, Spenden und Fördermittel ihrer Stiftung rund 111.000 Euro für Projekte des Umwelt- und Naturschutzes oder der Umweltbildung Bielefeld bereitgestellt. Eine angemessene Nachhaltigkeit sei allen Direktanlagen der Sparkasse im Jahr 2016 attestiert worden.

Mit ihrem Förderprogramm unterstützt die Sparkasse Gütersloh-Rietberg regelmäßig ökologische Projekte vor Ort. Durch das Förderprogramm wurden so diverse Baumpflanzungen vor Ort gefördert, aber auch andere Projekte unterstützt. Zudem wurde eine Veranstaltung von attac zum Thema „Nachhaltige Geldanlagen“ durch die Sparkasse Gütersloh-Rietberg begleitet.

Bank-Startups wollen klassische Muster aufbrechen

Die sogenannten „Fintech“-Unternehmen werden in den kommenden Jahren ein vierter Player am Markt der Banken sein. Darunter versteht man Startups, die die klassischen Muster der Branche radikal aufbrechen wollen. Auch die Nutzerfreundlichkeit und allerhand digitaler Schnickschnack sollen bei den Kunden punkten. Zu dieser Art von Unternehmen gehören unter anderem Holvi, Fidor und N26.

Allerdings zeigen Fintech-Banken bei Spar- und Anlageprodukten leider wenig Neigung zur Nachhaltigkeit. Dies hat das Magazin Utopia analysiert. Als deutsche Bank hat allein die Fidor Bank im Jahr 2012 eine Crowdfunding-Plattform ins Leben gerufen. Diese Crowdfunding-Plattform war dazu da, den Lieblingsverein zu unterstützen oder für soziale Initiativen zu sammeln. An diesem Modell orientieren sich schließlich auch Öko-Banken wie die GLS-Bank.