Das Wichtigste kompakt zusammengefasst

Laut neuesten Berichten der Süddeutschen Zeitung und des NDR wurden bei der N26, einer aufstrebenden Onlinebank, ein paar hundert Konten eröffnet und für kriminelle Zwecke missbraucht. Im Fokus stehen hierbei Onlineshops, denen Geldwäsche unterstellt wird. Mit in das Geschehen hineingezogen wurden zahlreiche Kunden die lediglich als Testkunden fungierten und nichts von den betrügerischen Absichten ahnen konnten, doch: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Aus genau diesem Grund werden jetzt viele dieser unwissenden und nur zufällig ausgewählten Testkunden ebenfalls angeklagt. Sie werden der leichtfertigen Geldwäsche beschuldigt und müssen sich nun in dieser Sache verantworten. Die Geldwäsche wird natürlich auch immer wieder bei anderen Banken versucht, doch hier greifen scheinbar bessere Schutzmechanismen als bei der reinen Onlinebank N26, deren Konten für Kriminelle in den letzten Wochen und Monaten scheinbar einen ganz besonderen Reiz hatten.

Quelle:  https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/n-fake-shops-betrug-geldwaesche-1.4412084

Gefälschte Online-Shops sollen über N26 Geld gewaschen haben

Was konkret geschah

Es war einer der ersten Tage im Januar, als bei der Onlinebank N26 ein neues Konto von Eckhard Küntzle eröffnet wurde. Auf der Suche nach einem Zusatzverdienst meldete dieser sich auf einer Internetseite für Marktforschungen an und sollte als ersten Auftrag das Video-Identifikationsverfahren der N26 Bank testen – allerdings ohne zu ahnen, dass er hier am Ende den Internetbetrügern zum Opfer fallen würde. Nach erfolgreicher Identifikation bekam der Lockvogel Küntzle eine Mastercard zugesendet, zusätzlich bekam er eine Nummer, die er gegen 60 Euro Honorar für seinen Auftrag an den angeblichen Marktforscher weiterleiten sollte. Erste Zweifel kamen dem Mann, als er rund zwei Monate nach diesem Identifikationsverfahren die Website des Marktforschers zu diesem zweck aufrufen wollte, diese aber nicht mehr im Netz finden konnte.

Sofort machte der verunsicherte Eckhard Küntzle eine Meldung über den Vorgang bei der N26 Bank und sprach bei der Polizei vor. Hier fand er heraus, dass seine Identität bereits geklaut und er bereits Teil eines Internetbetrugs geworden war. So ähnlich lief die Betrugsmasche noch bei zahlreichen weiteren Opfern ab, wie sich am Anschluss bei den Ermittlungen zur Geldwäsche bei der N26 herausstellte. Natürlich wurde die N26 Bank aktiv und sperrte die betroffenen Konten, allerdings waren bis zur Sperrung bereits Tage vergangen. Eine Zeitspanne, während der die Betrüger noch Handlungsspielraum mit den geklauten Identitäten hatten und viele Kunden durch vermeintlich tolle Produktangebote ausnehmen konnten.

Details zur betroffenen Internetbank N26

Viele Geschäfte werden heutzutage hauptsächlich über das Internet abgewickelt, die Zahl der Kunden und Händler im Netz wächst rasant und entsprechend schnell ging auch die Zahl der Kunden der neuen Internetbank N26 in die Höhe.

Bei der betroffenen Bank aus Berlin handelt es sich um ein Start-up Unternehmen mit deutscher Herkunft und namhaften Investoren – ein vertrauenswürdiges Unternehmen, so meint man. Anliegen der Bank ist es, als Plattform-Bank zu agieren, bei der die Kunden die Bank als Schaltzentrale für Ihre Bankgeschäfte via Smartphone nutzen können. Leider scheinen aber bei der N26 die Risikoprozesse noch nicht zu einhundert Prozent abgeklärt zu sein, sodass Vorgänge wie zuvor beschrieben nicht mehr passieren können.

Eine Registrierung bei der Bank durchzuführen ist nicht besonders schwierig und ein Zugang ist praktisch genauso leicht zu erreichen wie bei der Registrierung einer de-Domain und einem zugehörigen Onlineshop in modernem Design. Onlineshops gibt es bekanntlich wie Sand am Meer und zu vielen unterschiedlichen Produkten, egal ob Kaffeemaschinen oder Armbanduhren – im Internet finden man einfach alles. Die Händler müssen lediglich einen Artikel Online verkaufen und das Geld der zahlenden Kunden in Empfang nehmen, in unserem Fall der Betrüger vorzugsweise auf die Konten zur Geldwäsche. Wie bereits beschrieben ist die Eröffnung eines Kontos bei der N26 nicht schwierig, denn man kann sich ganz einfach online dort registrieren, ohne jemals persönlich bei der Bank vorgesprochen zu haben. Ein Video-Identifikationsverfahren ebnet einem den Weg zum neuen Bankkonto bei der Start-up Bank. Man hält einfach seinen Ausweis in die Kamera, beantwortet einige Fragen und bekommt im Anschluss seine Bankkarte auf dem Postweg zugeschickt. Jeder Kunde, egal in welchem Land er seinen tatsächlichen Sitz hat, bekommt eine deutsche IBAN zugewiesen – so ist es auch bei anderen Banken an der Tagesordnung. Diese vertrauensbildende Maßnahme der deutschen IBAN lässt deutsche Kunden um einiges schneller hereinfallen, wie sich zuletzt am Beispiel der falschen Onlineshops zeigte.

Was lässt das Prinzip der Betrüger funktionieren?

Letzten Endes kann eine betrügerische Bande im Internet nur wirklich zu Geld kommen, wenn es zu viele naive Menschen wie einen Eckhard Künzle gibt, die sich für ein paar Euro Verdienst an Pseudo-Tests beteiligen und unabsichtlich zu den Komplizen der Betrüger werden. Grundsätzlich gilt: wenn Sie dazu aufgefordert werden ein Konto bei einer Onlinebank zu eröffnen: Finger weg! Und das bitte ohne Wenn und Aber. Im vorliegenden Fall gab es laut Angaben der SZ und des NDR bereits rund 400 gutgläubige Menschen zu viel, denn etwa so viele Konten flogen hinterher wegen Betrugsverdacht bei der N26 auf und mussten gesperrt werden. Genutzt wurden diese Konten übrigens mit Vorliebe nicht nur bei sogenannten Fakeshops, sondern auch bei Ebay-Händlern.

Sie sollten auf Zuruf niemals Konten eröffnen. Andernfalls, und wenn es so läuft wie in diesem Fall, werden Sie als nichts ahnender Testkunde möglichweise in Zukunft wegen Beihilfe zum Betrug oder gezielt wegen leichtfertiger Geldwäsche angeklagt.

Über die Überwachung von Überweisungen

Nicht nur die naiven „Testkunden“ sind am Ende die Leidtragenden – auch die Onlinebank N26 wird durch solche Negativschlagzeilen in Verruf gebracht. Die sogenannten Fakeshops sind bei der Bank allerdings scheinbar nur ein einzelner Punkt auf der Fehlerliste – erst vor kurzer Zeit gelang es anderen Betrügern diverse Konten zu plündern, während die Bank für die betroffenen Inhaber der Konten scheinbar einfach nicht zu erreichen war. Eine Erreichbarkeit sollte via Chat oder Telefon gesichert sein, leider scheinen aber beide Kanäle für eine Gewährlistung guter Erreichbarkeit nicht ausreichend gut abgedeckt zu sein. Zu Mängeln kam es ebenfalls aufgrund genereller personeller Unterbesetzung und wegen dem allgemeinen Umgang mit den ausgelagerten Arbeiten. Schon als es zu diesen Mangelanzeigen kam, versprach die N26 eine baldige Verbesserung. Diese Verbesserung scheint nicht schnell genug umgesetzt worden zu sein, bis es einmal mehr zu erfolgreichen Betrugsaktionen kam.

Im aktuellen Betrugsfall mit den Fakeshops wurden die meisten betroffenen Konten bereits gesperrt, leider gelang es der N26 aber nicht, wirklich alle schwarzen Schafe auszuheben – so konnten vier Konten noch nicht gefunden bzw. geschlossen werden, so berichten SZ und NDR weiter. Generell sind die Kontrollmechanismen der betroffenen Bank noch nicht so gut durchdacht und ausgereift, wie es bei größeren und namhafteren Banken der Fall ist. Speziell in Sachen Geldwäsche versucht man Betrügern durch verschärfte Kontrolle bei auffälligen Überweisungen etc. vorzubeugen und im Zweifelsfall sofort auf die Schliche zu kommen. Im Fall der Fakeshops konnte die N26 leider nicht mit Ruhm überhäufen, denn hier dauerte es teilweise mehrere Tage oder sogar Wochen, bis es zu einer Aktion seitens der Bank kam. Weiteren Fehlern möchte das Start-up in Zukunft in jedem Fall vorbeugen.

Stetige Weiterentwicklung und mehr Fokus auf den Schutz von Kunden

Um nicht wieder negativ in die Schlagzeilen zu kommen, hat die Bank bereits Besserung sowie eine schärfere Überwachung versprochen. Personendaten sollen besser geschützt werden und auch generell möchte man an der Sicherheit der Bank und der internen Vorgänge weiterarbeiten. Auf neue Betrugsmaschen möchte man besser vorbereitet sein und schneller reagieren, wobei der Chef der Bank, Valentin Stalf, auch betont, dass seine Bank in vielen Bereichen sogar sicherer sei als die meisten herkömmlichen Banken. Es gäbe einfach Bedrohungsszenarien, bei denen sich die Bank stetig weiterentwickeln müsse, so gab es Valentin im Interview bekannt. Um Kunden aufmerksamer zu machen, warnt die Bank neuerdings gezielt vor betrügerischen Absichten bei der Verifizierung via Videochat und ein Team von etwa 50 Personen kümmert sich die Betrugsprävention – bleibt abzuwarten, ob die verbesserten Schutzmechanismen in Zukunft besser greifen werden.