Deutschlandfunk berichtetet: Seit Längerem fordert die Polizei Verbraucher zu restriktivem Umgang mit persönlichen Daten auf und das nicht grundlos. Für viele Verbraucher beginnt der wahre Albtraum des eigentlichen Hochgefühls des Shoppings, wenn Rechnungen und Mahnungen von Versandwaren im Briefkasten ihren Platz suchen, ohne, dass überhaupt etwas bestellt wurde. Mahnungen fanden sich immer wieder in seiner Post, obwohl Torsten Schneider die aufgelisteten Dinge – wie eine Kinderbadehose und ein i-Pad-mini – überhaupt nicht im Internet zur Bestellung aufgegeben hatte. Es trudelten zwei Forderungen von jeweils über 300,00 Euro ein. Da er sich selbst eher als konservativ ansieht und er grundsätzlich nichts im Internet bestellt, habe er diese einfach beiseite gelegt.

Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/onlinebetrug-kaufen-mit-fremder-identitaet.697.de.html?dram:article_id=433564

kaufen mit falscher Identität

Auch Anwälte sind betroffen

Auch Rechtsanwältin Cornelia Seibeld musste sich mit Identitätsdiebstahl auseinandersetzen als sie Post erhielt, in welcher ihr zu verstehen gegeben worden ist, dass sie angeblich Bekleidung als auch Schuhe online käuflich erworben hatte. Zusammen wurde ein Betrag von um die 100 Euro gefordert. Der Leiter der Abteilung für Betrugsdelikte vom Landeskriminalamt Berlin, Stefan Teller, kennt solche und ähnliche Fälle nur zu gut. Sie werden mittlerweile als Massendelikt angesehen. Die geschilderten Vorfälle fallen in die Kategorie „Warenkreditbetrug“ und sind vor allem in Großstädten fast schon Gang und Gebe.

 

Die Betrugsrate ist höher, je anonymer die Umgebung

Stefan Teller erläutert, dass vor allem eine anonyme Umgebung den Tätern die Gegebenheiten zum Betrug in die Hände spielt. Laut ihm gab es allein in den letzten sechs Jahren bis zu 16.500 Warenkreditbetrugstaten. Nur zu gerne holen Täter die Versandware bei hilfsbereiten Nachbarn ab oder fangen sie im Treppenhaus ab. Auch überkleben sie gerne mal die Klingelschilder und Briefkästen, um sie für ihre Zwecke zu missbrauchen.
Der Ablauf des Betruges ist einfach. Der Täter bestellt Waren im Online-Versandhandel auf Rechnung und zwar im Namen einer echten Person. Bevor die Bestellung beim angeblichen Auftraggeber landet, fängt er die Ware entweder vorher ab oder lässt sie direkt an eine separate Lieferanschrift schicken. Die Betroffenen des Betruges erfahren erst etwas über ihre angebliche Bestellung, wenn sie irgendwann die Rechnung oder Mahnung in ihrem Briefkasten vorfinden.

Wie kann man einer solchen Zahlungsaufforderung entgehen?

Im Fall von Rechtsanwältin Cornelia Seibeld erbrachte die Strafanzeige zumindest keine Ermittlungsergebnisse. Doch mittels dem mühevollen Weg des Briefeschreibens an das Inkasso-Unternehmens, Warenversandhandels als auch Schufa und der Darlegung, dass sie weder einen Kaufvertrag abgeschlossen noch jemals Ware zu Gesicht bekommen und Strafanzeige gestellt hatte, hatte sich die Sache nach einem anstrengenden dreiviertel Jahr erledigt.

Es ist ratsam auf restriktiven Umgang mit den persönlichen Daten zu achten

Rechtsanwalt Torsten Schneider, der für sich ursprünglich entschieden hatte, gar nicht reagieren zu wollen, da er nach eigenen Angaben noch nie zuvor online eingekauft hatte, entschied sich schlussendlich für den Rechtsweg in Form einer sogenannten negativen Feststellungsklage beim zuständigen Amtsgericht vor Ort, als die Forderungen nicht aufhörten und ein schriftlicher Widerspruch nicht den gewünschten Erfolg erzielt hatte. Diese negative Feststellungsklage sorgt dafür, dass das Gericht dazu aufgerufen wird festzustellen, dass die angebliche Forderung gar nicht besteht. Zwar obsiegte Schneider den Prozess, doch als Laie muss man sich bewusst sein, dass man einen Rechtsanwalt zu bezahlen hat, sowie mögliche Post- und Gerichtskosten.

Zur Vorbeugung empfiehlt Polizist Teller mit seinen persönlichen Personalien so restriktiv wie nur überhaupt möglich umzugehen und bevor man Daten preisgibt zuvor zu hinterfragen, ob dieser Schritt überhaupt unbedingt notwendig ist oder ob es nicht doch sinnvoller wäre, lieber darauf zu verzichten. Sollte man Opfer einer solchen Straftat sein, so rät er an, auf jeden Fall Anzeige zu erstatten.

Die Bundesratsinitiative fordert veränderte Online-Bestellbedingungen

CDU-Politikerin Cornelia Seibeld hat gemeinsam mit ihrer Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus eine Bundesratsinitiative eingebraucht, welche es sich fest zum Ziel gesetzt hat, die Bestellbedingungen im Online-Versandhandel zu verändern und gleichzeitig die Auswirkungen solcher Betrügereien auf die Bonität der Geschädigten – wie die Einstufung der Kreditwürdigkeit bei Auskunfteien wie der Schufa – nicht außer Acht zu lassen. Seibeld spricht sich für eine verstärkte Aufsicht und mehr Transparenz über die Unternehmen im Inkasso-Bereich aus. Da ihres Erachtens oftmals die Darlegungs- mit der Beweislast vertauscht wird und die Verbraucher rechtfertigen müssen, dass sie eigentlich nichts gekauft haben. Auch hält sie es für sinnvoll, dass man im Versandhaus die Bestellungen zukünftig so regulieren kann, dass die Erstbestellung nicht auf Rechnungen erfolgen kann. Exakt das propagieren allerdings die Verbraucherzentralen zum Schutz vor falschen Internet-Shops und weiteren ähnlichen Gefahren im Internet. Sie raten dezidiert bei Erstbestellungen zum Kauf auf Rechnung.