Sehr hohe Summen erschlichen worden

Jedes Jahr erschleichen sich Versicherungsbetrüger sehr hohe Summen, das berichtet die Wirtschafts Woche. Dies vor allem im KFZ Bereich sowie im Bereich der Krankenversicherungen. Die Versicherungsbranche setzt nun zunehmend auf Digitalisierung, damit diese Machenschaften bekämpft werden können. Die KI soll diese Verbrecher nun wahrhaftig schnappen.

Quelle:   https://www.wiwo.de/unternehmen/versicherer/digitale-versicherungsfahnder-kuenstliche-intelligenz-soll-versicherungsbetrug-aufdecken/24270964.html

Künstliche Intelligenz soll Versicherungsbetrug aufdecken

Diese Frau soll den Betrügern sprichwörtlich das Handwerk legen. Die Rede ist hierbei von Sabine Walch, die in einem Pitch am Mikrofon das ganze vorgestellt hat. 27 Jahre ist sie erst alt und hat einiges zu bieten. Vertreter von 13 Versicherungen warteten gespannt im Münchner InsurTech Hub am Ostbahnhof auf neue Ideen für die teils angestaubte Branche. Walch stellte hier unter anderem „AvoCard“ vor. Mit diesem Projekt für Privatpatienten sollen Rechnungen auf Papier in Zukunft nicht mehr nötig sein. Durch diese schnellere und zugleich automatisierte Lösung ergeben sich zwei Vorteile: Das Einreichen der Arztrechnung ist nicht mehr nötig. Zum anderen können die Honorarforderungen papierlos direkt aus der Praxis heraus an die Versicherungen gesendet werden. Dadurch werden manipulierte PDFs sowie völlig erfundene Rechnungen verhindert und sorgen so für mehr Sicherheit.

So sollen etwa solche Fälle verhindert werden, wie der, der Mitglieder der Amateurfußballvereine in Berlin und Brandenburg. Nachdem es hier eine Razzia gegeben hatte, wurden insgesamt 25 Spieler vom LKA verdächtigt hier einen Betrug begangen zu haben. So sollen diese mit gefälschten Attesten in mehr als 100 Fällen Leistungen für angebliche Verletzungen kassiert haben.

Für private Versicherungen ist dies ein riesiges Problem, wie Manuel Holzhauer, der Managing Director vom InsurTech Hub Munich, sagte. Dieser gründete in Bayern vor knapp 2 Jahren die deutsche Assekuranz als Accelerator. Walch bekam daraufhin auch einen der zehn begehrten Plätze beim Selection Day auf dem ehemaligen Werksgelände der Firma Pfanni. Sie hat sich insgesamt 8 Wochen lang mit ihrem Team zusammen um ein Konzept für die Versicherungsbranche bemüht und will an der Versicherung für morgen feilen.

Enormes Potenzial für im Bereich Betrugsbekämpfung

Wenn die Versicherungsbranche keine Betrüger hätte, wären dies Einsparungen von rund 5 Milliarden Euro pro Jahr. Weltweit gesehen erschleichen sich Versicherte ca. mehrere Hundert Milliarden im selben Zeitraum. Sogenannte Anti Fraud Programme zählen daher derzeit zu den Rennern im Rahmen der Digitalisierung innerhalb der Versicherungsbranche. Systematische Betrugsbekämpfung ist ein enorm wichtiger Faktor für die Versicherungsunternehmen. Dies bestätigte Wolfgang Hauner, der Chief Data Officer beim Rückversicherungsunternehmen Munich Re ebenfalls. Dies betrifft vor allem die Sparten Kfz- und Krankenversicherungen. Bei der Privathaftpflicht sowie der Hausratversicherung hingegen treten häufig mengenmäßig viele Bagatellschäden auf. Das organisierte Verbrechen hingegen hat seit Jahren teure Unfallschäden bzw. gefälschte Arztrechnungen für sich entdeckt. Die Polizei in Essen hat hier in den letzten Jahren mehrere Mitglieder eines Familienclans dingfest gemacht. Diese hatten über Jahre mit provozierten Unfällen über 100.000 EUR erbeutet. Dabei war dies auch nicht der erste Familienclan, der mit solch einer Masche Erfolg hatte. Darunter fallen Fälle wie ein Fahrzeug, welches in Flammen aufging und damit als Entschädigung 25.000 EUR winkten. Daneben ein Einbruchschaden, der zu teuer abgerechnet wurde, oder Wasserrohre, die nur in der eigenen Fantasie barsten können. Wer online nach dem Wort „Versicherungsbetrug“ sucht, der findet schnell ein großes Arsenal an Tricks, mit denen man sich einiges verschaffen kann. Öffentlich aufgezeigt werden natürlich nur die aufgedeckten Fälle.

Eine Bande von Betrügern aus Sizilien ging dabei besonders brutal vor.

Sie brachen dabei bedürftigen Menschen die Knochen und versprachen ihnen im Gegenzug Geld dafür. Hierfür wurden dann Unfälle fingiert, damit bei den Versicherern abkassiert werden konnte. Die Ermittler sprechen von rund 2 Millionen Euro Schaden, nachdem insgesamt 42 Verdächtige festgenommen wurden. Dies allein im Jahr 2018.

Versicherte müssen jedoch meist mehrere Wochen oder gar Monate auf eine Erstattung warten. Sachbearbeiter müssen nämlich jede einzelne Forderung auf unwahre Angaben hin prüfen. Hier ist die künstliche Intelligenz ein wahrer Segen für die Versicherer. Mit der künstlichen Intelligenz kann der Betrug war nicht verhindert werden, aber es kann geholfen werden, diesen schneller zu entdecken. Dies sagte Jeremy Jawish, CEO des in 2014 gegründeten Unternehmens Insurtechs Shift Technology. Das junge Unternehmen aus Paris hat jüngst wieder weitere 53 Milliarden Euro in der vierten Finanzierungsrunde eingesammelt. Es hat einen Algorithmus zur Aufdeckung von betrügerischen Schadensmeldungen entwickelt.

Einer der vielen Kunden des Unternehmens ist die Versicherungsgesellschaft Axa. Das Unternehmen aus Frankreich hat dazu auch ein eigenes System entwickelt. Dieses nennt sich Axa Sherlock. Es arbeitet mit externen Insurtechs zusammen und entwickelt dieses insgesamt ständig weiter. So sieht man beispielsweise in einem Beispiel, ob eine Handynummer, mit der ein Schaden gemeldet wurde, in den vergangenen 6 Monaten bereits weitere Schadensfälle gemeldet hat. Oder ob beispielsweise ein Foto, welches angeblich an der Unfallstelle gemacht worden sein soll, gar nicht dort entstanden ist. Dies ist sehr spannend, sagt Johannes Dick, Global Head of Data Analytics and Data Innovation bei der Axa Gruppe.

Durch die Software würden zwar keine Mitarbeiter ersetzt, allerdings würde sie ihnen die tägliche Arbeit sehr stark erleichtern und effizienter machen. Die Software schützt zudem auch ehrliche Kunden. Wenn das Unternehmen bzw. die Versicherer allgemein nicht in eine professionelle Betrugsabwehr investieren würden, dürfte sich der Schadensaufwand noch weiter erhöhen. Das würde dann in steigenden Prämien für die gesamte Versicherungsgemeinschaft niederschlagen.

Betrüger sind meist einen Schritt voraus, wie der Manager zugibt. Allerdings geht er davon aus, dass man mit einer solchen Software schneller aufholen könnte und dazu spezielle Betrugsmuster besser erkennen kann. Das System schlägt so beispielsweise auch einen Alarm aus, wenn das Unfallopfer angeblich in einem bestimmten Krankenhaus behandelt wurde, allerdings weit entfernt davon ist. Dies sind insgesamt verschiedene Gegebenheiten, die sich sehr gut visualisieren lassen. Wirklich tätig wird das Unternehmen aber auch nur dann, wenn wesentliche Anhaltspunkte für einen Versicherungsbetrug vorliegen.

Manipulierte Schäden auf der Spur – mit Hilfe von digitaler Technologie

Natürlich soll die Klientel nun nicht unter einen Generalverdacht gestellt werden oder durch ungerechtfertigte Antworten vergrault werden. Hierzu gibt es auch zwei interessante Zahlen. In Deutschland beruhen rund 10 Prozent der Schadensmeldungen auf falschen Angaben. Allerdings kommt es jedes Jahr nur bei rund 5000 Fällen zu einer Anzeige. Wolfgang Hauner vom Rückversicherer Munich Re weiß zudem über die Sorge der Versicherungsunternehmen, die bei Schätzung der Schäden nicht zu tief liegen. Der Versicherte fühlt sich sonst nämlich verschaukelt. Es werden auch Verwaltungskosten im Rahmen der Umstellung auf die Digitalisierung eingespart.

Der Familienclan aus dem Ruhrgebiet ist auch nur deshalb aufgeflogen, weil ein und dasselbe Fahrzeug innerhalb von nur 2 Wochen in 2 Unfälle verwickelt war. Wäre hierbei auch schon eine KI am Werk gewesen, hätte man dieses Muster vielleicht schon früher erkennen können. In Deutschland gibt es rund 100 Autoversicherer. Atypische Schadensmeldungen bzw. solche Häufungen von Schäden fallen daher erst einmal gar nicht so schnell auf, so Peter Holmstoel, beim Gesamtverband der Versicherungswirtschaft für Kriminalitätsbekämpfung zuständig. Die Wahrscheinlichkeit, hierbei aufzufliegen, ist deshalb noch sehr gering. Auffällige Schäden können im Rahmen der Digitalisierung besser erkannt werden und so schneller abgelehnt werden.

Ohne die technische Hilfe, so Shift CEO Jawish, liege die Aufklärungsquote von Falschmeldungen bei etwa 15 Prozent. Die Zahlen stammen laut seiner Aussage von einem Praktikum in der Schadensabteilung eines Versicherungsunternehmens. Er und sein Co Gründer Eric Sibony hatten dies dort erfahren. Daraufhin haben sie sich gesagt, dass sie ein eigenes Unternehmen gründen müssen. So bringe er es laut Aussage von Shift nun schon auf stolze 75 Prozent. Hierzu haben die inzwischen rund 200 Mitarbeiter des Unternehmens sehr eng mit den Versicherern zusammengearbeitet. In den Rechnern sind nun viele Millionen Schadenfälle registriert und verarbeitet worden.

Ständiger Wettlauf mit Betrügern

Die Digitalisierung hat nun zum Teil dazu beigetragen, dass ein Betrug heute noch einfacher möglich ist als noch zu den analogen Zeiten. So ist mancher Schaden erst durch beispielsweise digitale Bildbearbeitung möglich. Dies ermöglichen Apps und Programme, die teils kostenfrei erhältlich sind. So wird das System Versicherung noch weiter zusätzlich dadurch herausgefordert. Betrüger sind dabei immer einen Schritt voraus, wie der Axa Manager Dick klar einräumt. Allerdings geht er im Rahmen der neuen Technologie davon aus, schneller und besser aufholen zu können, damit Betrugsmuster besser erkannt werden können. Die Branche setzt sich daher digital besser zur Wehr. Ein echter Kratzer sieht daher im Rahmen von Pixeln anders aus als einer, der mit Hilfe einer App in ein Foto hineinbearbeitet wurde, wie Munich Re-Manager Hauner mitteilt. Die Bilderkennung sei daher dem menschlichen Auge mittlerweile sehr weit voraus. Forensikexperten professionalisieren die von Maschinen gestützte Analyse von Texten und Zahlen, damit ähnliche oder gleichlautende Schadenmeldungen und auffällige Häufungen von Zahlen usw. direkt einen Alarm auslösen. Sofern es der Datenschutz zulasse, werden auch mögliche Beziehungen zwischen den Gutachtern, Beteiligten, Zeugen, Anwälten und behandelnden Ärzten durchleuchtet.

Die Versicherungen müssen wettbewerbsfähiger, kundenfreundlicher und produktiver werden. Hierfür müssen sie auch faire Bedingungen im Kampf gegen Internet Riesen wie Google, Amazon und Co haben.

In den nächsten Jahren wird die digitale Schadensteuerung eines der großen Themen in der Versicherungsbranche sein. Davon ist auch Christian Krams überzeugt, Leiter Schaden für die Unternehmen im Konzern Versicherungskammer und zugleich Vorstand bei der Bavaria Direkt. Die Bavaria Direkt ist ein digitaler Versicherer und deshalb auch in gewisser Art ein Versuchslabor für zahlreiche Themen der Zukunft im Rahmen der Versicherungsbranche. Sobald etwas bei der BavariavDirekt funktioniert, wird dies auch auf andere Konzernunternehmen übertragen.

KI Systeme bieten dem entsprechenden Sachbearbeiter sehr gute Vorschläge zur Regulierung an. Das ist zum einen im Interesse des Kunden als auch im Interesse des Unternehmens. Der Sachbearbeiter muss jedoch nach wie vor die finale Entscheidung treffen. Dies vor allem aufgrund seiner Fachkenntnis. Die künstliche Intelligenz sowie Data Analytics können hierbei nur unterstützende Komponenten sein, die dem Sachbearbeiter helfen können.