Brutaler Versicherungsbetrug in Italien

In Italien sollen Kriminelle durch die gezielte Verletzung und Verstümmelung an bedürftige Menschen, Versicherungsgelder in Millionenhöhe erschlichen haben, das berichtet die Süddeutsche Zeitung. Ein Kronzeuge erzählt den Ermittlern in Palermo, dass die Kriminellen allein an einen einzigen Tag sechs bis sieben Menschen Oberschenkel, Rippen und Wangenknochen gebrochen haben. Bislang sind 156 Fälle bekannt. Dabei gehen Fahnder allerdings von einer viel höheren Dunkelziffer aus. Aktuell wird gegen 208 Personen ermittelt.

Quelle:   https://www.sueddeutsche.de/panorama/palermo-knochenbruch-versicherungsbetrug-sizilien-1.4413198

Brutaler Versicherungsbetrug in Italien, 700 Euro für ein zertrümmertes Bein

Es klingt schrecklich und ist zudem leider auch noch die bittere Wahrheit. Für einen gebrochenen Unterarm gab es für die Kriminellen 400 Euro für ein zertrümmertes Bein auch mal 700 Euro. Nun sind in Palermo 42 Mitglieder einer Bande festgenommen worden. Diese Bande hat vielen Menschen am Rande der Gesellschaft angeboten, für ein bisschen Geld an dem brutalen Versicherungsbetrug mitzumachen. Geköderte waren vor allem Obdachlose, Arbeitslose, Drogensüchtige oder Glücksspieler ohne Glück, die insbesondere an der Stazione Centrale, dem Hauptbahnhof herumhingen. Die Bande kam mehrmals und bezahlte für Drogen und Alkohol, denn so waren die Opfer wie benebelt und ihr Widerstand verschwand. In der ganzen Misere, in der die Opfer steckten, scheint ein Knochenbruch nichts mehr an dem großen Ganzen zu ändern.

Die Opfer wurden schließlich an geheime Orte gebracht. Dort lag schon alles bereit. Die Bande arbeitete unter anderem mit kleinen Betonklötzen, Gewichten aus dem Fitnessstudio und Eisenstangen für den Knochenbruch. Außerdem lagen Eis und Spritzen für die Narkose bereit. Oft waren die Medikamente rezeptpflichtig. Diese beschaffte sich die Bande über Komplizen, die in Krankenhäuser oder Apotheken arbeiteten.

An nur einem Tag wurden sechs bis sieben Menschen Rippen, Oberschenkel und Wangenknochen gebrochen, erzählt ein Kronzeuge den Ermittlern. Die Opfer wurden dann an Straßenkreuzungen gebracht. Dort inszenierten sie schließlich einen Verkehrsunfall mit allem was dazu gehört. Am Ort des inszenierten Verkehrsunfalls, war auch immer ein fiktiver Zeuge. Dieser erzählte der Polizei schließlich den passenden Hergang des Unfalls für das Protokoll.

Gutachter und Anwälte gehörten mit zum Team

Neben den Anwerbern, den Knochenbrechern und den Komparsen an der inszenierten Unfallstelle gehörten auch noch Gutachter sowie Anwälte zum Team. Diese kümmerten sich vor allem um den anfallenden Papierkram. Durch diese Straftaten kamen mehr als zwei Millionen Euro zusammen und das allein im Jahr 2018. Einigen Opfern wurde auch ein gewisser Prozentsatz am Versicherungsgeld versprochen. Jedoch konnten die meisten froh sein, wenn sie überhaupt etwas Geld bekommen haben. Bislang sind 156 Fälle bekannt. Jedoch gehen die Fahnder von einer viel höheren Dunkelziffer aus. La Repubblica schreibt von etwa tausend Fällen.

Der Polizeichef von Palermo, Renato Cortese erzählte den Medien, dass er Geschichten gehört habe, die seien so brutal gewesen, dass ihm selbst das Blut gefroren sei. Nach dem Tod eines jungen Tunesiers schöpfte die Polizei einen ersten Verdacht. Der junge Tunesier lag mit drei Knochenbrüchen in einer Straße der Peripherie. Dabei sah es so aus, als sei er bei einem Unfall ums Leben gekommen. Doch auch in diesem Fall war alles bloß inszeniert. Statt einer Narkose hat man dem jungen Mann eine Dosis Crack verabreicht, damit dieser die Schmerzen ertrug. Jedoch starb er schließlich an einem Knochenbruch.

Palermo wurde durch das Gaunerkartell in drei Zonen aufgeteilt. Zu jeder Zone gehörte ein Boss. Ganz im Stil der sizilianischen Mafia, der Costa Nostra. Domenico Schillaci, 31 Jahre alt und einer der Bosse, betrieb eine Bar mit dem Namen „Dolce Vita“. Dabei fuhr er teure Autos und Schnellboote. Erst kürzlich hat er die Bar zu einem großen Nachtlokal ausgebaut. Das Ganze mit Spielkästen und einem Billiardraum. Domenico Schillaci galt hingegen für das Finanzamt als mittelos. Schillaci deklarierte im Jahr 2017 ein Einkommen von 109 Euro.

Verhaftung im Fernsehen übertragen

Ein anderer Bandenchef hingegen habe wohl gerne selbst Knochen gebrochen. Giovanni Napoli, ein 44-jähriger Mann den man auch Fragolina, zu Deutsch Erdbeerchen, nannte. Als die Polizei die 42 Verdächtigen abführte, wurde dies im Fernsehen übertragen. Einige von den Verdächtigen lächelten höhnisch und schickten ihren Verwandte Küsschen zu. Diese standen währenddessen heulten am Straßenrand.