Millionen Summen erbeutet

Im Internet erbeutete eine Gruppe von Kriminellen geschätzt hohe Millionen-Summe durch betrügerische Geldanlage-Plattformen. Recherchen zufolge sind unter den Betroffenen auch Personen von NDR und SR. Darüber berichtet der Focus.

Diese Geldanlage-Plattformen sind sogenannte Trading-Plattformen. Dieses sind Webseiten, auf denen schnelle Gewinne mit Wetten auf Aktienkurse, Währungsschwankungen und andere Finanzgeschäfte angeboten werden. Es gibt auch Seiten, die einen Handel mit der Krypto-Währung wie dem Bitcoin oder anderen Währungen anbieten.

Quelle:   https://www.focus.de/finanzen/boerse/millionengaunerei-im-internet-ermittler-zerschlagen-betrueger-ring-hunderttausende-deutsche-betroffen_id_10889242.html

Ermittler zerschlagen Betrüger-Ring – Hunderttausende Deutsche betroffen

Die Staatsanwaltschaft und Ermittler wie auch Ermittlerinnen in Saarbrücken gehen davon aus, dass der Kopf einer international agierenden Gauner-Bande der Deutsche Karsten L. sein soll, der laut den Ermittlungen etliche solcher Seiten betrieben haben soll. Die Staatsanwaltschaft in Saarbrücken führt gemeinsam mit der Zentralen Wirtschaftsstaatsanwaltschaft aus Österreich gegen ihn nun das vermutlich größte Verfahren, dass es in Europa bisher gegeben hat.

Karsten L. wie auch vier weiteren Beschuldigten, wird von den Ermittler in der Anklage vorgeworfen, dass diese gemeinsam gewerbsmäßigen Bandenbetrug betrieben zu haben. Unter den Beschuldigten ist ebenfalls noch ein Deutscher. Zu diesem Vorwurf wurde dem Anwalt von Karsten L eine Anfrage zur Stellungnahme gestellt, doch dieser reagierte nicht. L. sitzt derzeit in Untersuchungshaft in Wien, ein Teil der anderen Beschuldigten sind noch auf freiem Fuß und auf der Flucht.

Betrüger betreiben eigene Callcenter

Die potenziellen Opfer der Betrüger wurden gezielt in den sozialen Netzwerken geworben. Die Opfer haben sich auf diesen Seiten angemeldet und nach den ersten Einzahlungen wurden viele der Geschädigten dann per Chat-Nachrichten und auch Anrufen von selbsternannten Beratern auf offenbar besonders lukrative Gelegenheiten hingewiesen. Das Ziel war, dass die Geschädigten dann noch mehr Geld einzahlen sollten. Reporter vom NDR und SR konnten die Chat-Protokolle einsehen und konnten dieses Vorgehen somit auch belegen.

Die Ermittler sind der Auffassung, dass diese Berater die Aufgabe hatten, die Kunden immer wieder zu neuen Einzahlungen zu bewegen. Einige Opfer berichten dem SR, dass sie von diesen Beratern massiv unter Druck gesetzt worden sind.

Recherchen haben ergeben, dass die Betrüger sogar eigene Callcenter betrieben haben sollen. Dort war es dann ein Leichtes, die Opfer telefonisch unter Druck zu setzen. Im Kosovo wurde vor einigen Wochen ein solches Callcenter durchsucht. Im Zusammenhang mit dem Ermittlungsverfahren gab es auch noch weitere Durchsuchungen in Österreich, Deutschland, Bulgarien und auch Tschechien. Gegenüber dem SR und NDR bestätigte die Staatsanwaltschaft in Saarbrücken dies.

Mehr als 200.000 Deutsche in den Kundendateien

Die Betreiber haben laut den Berichten von Geschädigten die Auszahlungen von den vermeintlichen Gewinnen durch mutmaßliche fingierte Software-Fehler verhindert. Es wird auch von Fällen berichtet, dass plötzlich die persönlichen Berater verreist seien und dadurch keine Auszahlung vorgenommen werden konnte. Zum Schluss gab es kaum einen Betroffenen, der nicht mit einem Totalverlust seiner eingezahlten Gelder dar stand. Der Verdacht der Staatsanwaltschaft liegt nahe, dass auf diesen Plattformen kein Handel mit Geldern stattgefunden hat. Dies bedeutet, dass die Vermutungen nahe liegen, dass die virtuellen Geschäfte zu keiner Zeit echte Finanztransaktionen waren, sondern das es das Ziel der Betrüger von Beginn an war, das eingezahlte Geld abzuzweigen und in die eigene Tasche zu schieben.

Die Gruppe um L. soll laut den Ermittlern fünf Plattformen betrieben haben: Die Seite „optin888“, „TradeInvest90“, „Xmarkets.com“, „ZoomTrader“ und „TradoVest“. In den Kundendateien von diesen Anbietern haben sich offenbar mehr als 200.000 Namen von Deutschen befinden. Derzeit ist allerdings noch unklar, ob alle Kunden ihr Geld verloren haben und um welche Beträge es sich dabei handelt. Im Zusammenhang mit diesen Trading-Plattformen sind allein in Saarbrücken mittlerweile 233 Strafanzeigen gestellt wurden. Jeder der Geschädigten hat in Durchschnitt mehr als 40.000 Euro verloren. Die Bande könnte nach Hochrechnungen mehrere hunderte Millionen auf den fünf Plattformen erbeutet haben.

Infrastruktur auf 387 Webseiten entdeckt

Es besteht die Vermutung, dass die Gruppe sogar noch mehrere Webseiten betrieben haben könnte, als die Staatsanwaltschaft zum gegenwärtigen Zeitpunkt L. vorwirft. Die Ermittler haben laut den Informationen von NDR und SR im Ausland bei Durchsuchungen weitere Unterlagen sicherstellen können, die den Verdacht erhärten, dass dieselbe Infrastruktur wie bei den fünf bekannten Seiten auch bei weiteren 387 Webseiten angewendet worden sein könnte. Zum gegenwärtig Zeitpunkt der Ermittlungen ist jedoch noch unbekannt, inwiefern L. und seine Gauner Komplizen auch mit diesen Seiten in Verbindung gebracht werden können. Die Ermittlungen laufen.

Hauptverdächtiger ist schon länger im Online-Geschäft

Der 55-jährige Karsten L. sitzt derzeit noch in Österreich in Untersuchungshaft, doch er soll demnächst ins Saarland ausgeliefert werden. Er soll schon seit geraumer Zeit im Internet Geschäfte machen. Mitte der 90er Jahre soll L. bereits eines der ersten Online-Casinos eröffnet haben, wie der SR schreibt. Bekannt geworden ist dies durch die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Ebenso soll er beteiligt gewesen sein an dem Aufbau eines der bekanntesten Online-Poker-Plattform. Laut den Informationen von SR und NRD soll L. bis zu seiner Festnahme in einem Tiroler Fünf-Sterne-Hotel und in St. Tropez an der Côte d'Azur gelebt haben. Es ist bisher noch unbekannt, wann gegen L. Anklage erhoben werden soll.