Es geben sich viele als Enkel, Neffen oder Nichten bei hauptsächlich älteren Personen aus.

Mittlerweile warnt die Polizei in ganz Europa mit Videos vor Betrügern, das berichtet die BR, die sich hierbei als sogenannte Enkel, Neffen oder Nichten ausgeben. Als Ziel wird hierbei immer Geld verlangt. Hinter diesen Personen stecken zumeist sehr professionell agierende Banden. In einem uns vorliegenden Fall geht es um eine Geschädigte aus Schwaben.

Quelle: https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/falsche-enkel-wie-sich-senioren-vor-trickbetruegern-schuetzen,RQ3UmFh

Enkeltrick, Wie schützt man sich vor dem Betrug

Im Jahr 2017 ist es der polnischen Polizei gelungen, den Erfinder des Enkeltricks festzunehmen. Arkadius L., der rund 20 Jahre lang ein Betrugsimperium in dieser Hinsicht aufgebaut hatte, ist seitdem hinter Schloss und Riegel.

Nachdem es dann noch zu weiteren Festnahmen in Bayern kam, gingen die Straftaten in diesem Bereich zunächst zurück. Allerdings zogen die Straftaten im letzten Jahr wieder einmal ordentlich an. Insgesamt registrierte die Polizei über 2200 Fälle. Der Schaden, der über den sognannten Enkeltrick passiert ist, beläuft sich im Freistaat Bayern auf rund 2,5 Millionen Euro.

Großmutter aus Schwaben um knapp 38.000 EUR erleichtert

Eine Familie aus dem Schwabenland, die nicht weiter genannt werden möchte, haben einem Betrüger rund 38.000 EUR hinterlassen. Dabei berichtet die Tochter dem BR, dass die Mutter zusätzlich zu dem finanziellen Schaden nun auch noch einen psychische Probleme hat.

In dem Interview gibt sie daher an, dass es die Mutter extrem belastet und diese unter Schlafstörungen leidet. Sie kann seitdem keine Nacht mehr durchschlafen und befindet sich in einem großen Dilemma. Sie zermartert sich dabei den Kopf darüber, wie ihr sowas passieren konnte und wie sie letztlich so manipuliert werden konnte. In einem für diesen Betrugsfall typischen Gespräch, soll die Dame dann auf die vermeintliche Enkelin hereingefallen sein.

Die falsche Enkelin gab dabei die folgende Geschichte an: „Ich bin gerade mit einer Freundin hier und möchte mir eine neue Wohnung kaufen. Hierfür benötige ich ganz schnell Geld, damit ich die Anzahlung dafür machen kann. Die Wohnung ist sonst weg und ich kann die Wohnung nicht mehr bekommen. Die würde ich so gerne haben wollen“.

Die Frage nach der Höhe des Geldbetrages wurde von dem vermeintlichen Opfer dann mit abwartender Haltung beantwortet. Die Dame sagte der falschen Enkelin, dass sie erst nachschauen müsste und zudem erst rechnen muss, wieviel genau sie derzeit zur Verfügung hat. So zählte die alte Dame dann ihr Ersparnisse zusammen. Als dann der nächste Anruf der vermeintlich falschen Enkelin kam, sagte sie dieser dann die 38.000 EUR zu. Die falsche Enkelin zeigte sich damit erst einmal sehr zufrieden und antwortete ihr mit den Worten: „Oh, Omi, das ist ja prima. Genau soviel bräuchte ich für die Anzahlung für die Wohnung“.

Angestellte der Bank übergeht offenbar die interne Leitlinie

Die Seniorin ist danach direkt zur Bank gefahren. Dort hebt sie alles in bar ab. Die Bankangestellte soll zwar laut Info der Tochter bei der hohen Summe einen Verdacht einer Unregelmäßigkeit festgestellt haben, allerdings wohl eine Ausnahme gemacht haben. Grundsätzlich ist so ein Fall sonst ein Meldefall, der geprüft werden muss.

Als dann die vermeintliche ältere Dame mit dem Geld zuhause angekommen ist, klingelte ihr Telefon erneut. So gab die Enkelin in dem Telefonat vor, dass sie selbst leider nicht kommen könnte, da ihr etwas dazwischengekommen sei. Eine Notariatsangestellte würde jedoch stattdessen eben vorbeikommen, um das Geld abholen zu können.

Die ältere Dame entgegnete dann, dass sie doch einer fremden Person nicht soviel an Bargeld in die Hand geben könnte. Die falsche Enkelin erwiderte daraufhin jedoch, dass es kein Problem sei und sie ihr ruhig das Geld geben könnte und sie ihr schließlich vertrauen sollte.

Kurze Zeit später übergibt die ältere Dame der wildfremden Person die vermeintlichen 38.000 EUR in bar. Innerhalb von nur wenigen Stunden ist alles vorbei und die Geldübergabe hat stattgefunden.

Womit schützen Geldinstitute ihre Kunden vor diesen Tricks?

Die Tochter der Geschädigten stellt vor allem die Frage, wieso die Bankangestellte das Geld ohne Rückfragen einfach ausgezahlt hat. Die Bank gibt hierzu die Antwort, dass die Mutter ausdrücklich eine Bargeldauszahlung haben wollte und das Haus verpflichtet ist dem Wunsch des Kunden nach Auszahlung nachzukommen.

Bei der Sparkasse in München sind die Mitarbeiter entsprechend geschult, wie aus offiziellen Meldungen hervorgeht. So können sie gefährdete Personen mittels eines Flyers entsprechend aufklären und sich bei Rückfragen zudem an einen Experten wenden. All diese Maßnahmen sind allerdings nur Empfehlungen und keine Vorschriften.

Das Problem für die Banken ist natürlich, dass die Kunden geschäftsfähig sind, solange der Bank nichts anderes bekannt ist. Hierdurch können sie über ihr Vermögen komplett frei verfügen. Damit können sie in der Theorie auch verfügen, ihr Geld direkt in bar mitnehmen zu können. Es gibt in Banken keine juristische Handhabe, um dagegen vorgehen zu können. Die Banken können dabei nur appellieren, möglichst sensibel zu reagieren und im Zweifelsfall die Polizei einschalten. Diese muss dann alles Weitere klären und prüfen, so Joachim Fröhler von der Stadtsparkasse in München.

Auch bei den Genossenschaftsbanken  ist alles auf Empfehlungen fixiert. Die Gewohnheiten der Kunden sind in der Regel hinsichtlich bekannt. Dazu ist der Zusammenschluss der Geschäftsbanken ein Garant dafür, dass ausreichend Vorsorge für Betrug getroffen wird.

Polizei leistet Betrugsprävention

Derzeit schnellen die Fallzahlen sehr akut nach oben. Die Polizei in München schafft es derzeit nicht, den Enkeltrick zu unterbinden. Alleine rund 25 Mitarbeiter kümmern sich hierbei um Prävention und Opferschutz. Dazu werden die Nutzer im Internet mit Videos über die Taten aufgeklärt.

Arno Helfrich ist Leiter der Abteilung für Betrugsprävention. Er sagt hierbei, dass es vorrangig zunächst darum geht, erst einmal abzuwarten, wenn man spürt, dass irgendwas hier nicht stimmt. Sollten sie also das Gefühl haben, dass es nicht der Enkel ist, einfach auflegen und die Polizei verständigen, so Helfrich.

Auch diese Maschen sind schlimm

3 fiese Maschen von Trickbetrügern

Der Enkeltrick ist hinlänglich bekannt, allerdings gibt es auch noch andere Maschen, mit denen Gauner falsches Geld erbeuten. So gibt es die eilige Medikamentenlieferung, den falschen Polizisten und vieles mehr. Wir stellen hier noch aktuelle Betrugsmaschen der Trickbetrüger vor. So wissen sie, wie sie sich schützen können.

1. Trick – falsche Polizeibeamten

Bei ihnen klingelt das Telefon mit einer falschen bzw. manipulierten Rufnummer. Auf dem Display steht beispielsweise 110. Die Person am anderen Ende gibt an von der Polizei zu sein und habe bei einer festgenommenen Person diese Daten gefunden. Man müsse nun davon ausgehen, dass die Personen ausgeraubt werden sollen, weshalb man hierbei die Personen anrufen würde. Zur eigenen Sicherheit würde die Polizei nun jemanden vorbeischicken, der die Wertsachen abholt und in Sicherheit bringen würde. Das ist natürlich alles Betrug und völliger Quatsch, da die Polizei niemals so anrufen würde und man zudem keinen fremden Personen irgendwelche Wertgegenstände oder Bargeld mitgeben sollte.

Währenddessen das Oktoberfest in München stattgefunden hat, wurde diese Masche noch um ein weiteres Detail erweitert. Hierbei gaben die falschen Polizisten noch an, dass sie in einer Undercover Mission unterwegs wären. Die Geschädigten sollten daher mit niemandem darüber reden. Die vermeintlich falschen Polizisten würden nun vorbeikommen und den Schmuck zum Fotografieren abholen, damit er im Falle eines Diebstahls zuzuordnen wäre.

Das rät die Polizei im Fall der falschen Polizeibeamten

Wenn ihnen ein solcher Fall passiert, sollten sie direkt die Polizei anrufen. Polizeibeamte zeigen auch stets in zivil ihren Dienstausweis vor. Daran sollten sie keinen Zweifel hegen, weshalb sie sich immer den Namen des Beamten und die zuständige Dienststelle nennen lassen sollten. Niemals Geld an unbekannte Personen übergeben, da die wahre Polizei auch niemals Schmuck oder Bargeld an sich nehmen würde. Seien Sie zudem immer misstrauisch, wenn sich fremde Personen am Telefon als Bekannte, Verwandte, Anwälte oder Bekannte ausgeben. Dabei sollten Sie auch niemals Details zu irgendwelchen familiären Situationen angeben. Keine Namen von Enkeln, Nichten, usw. Ebenfalls tabu sind Informationen über finanzielle Verhältnisse.

2. Trick – Die Medikamentenlieferung

Bei dieser Betrugsmasche handelt sich um einen Betrug, der direkt an der Haustür stattfindet. Ein Mann gibt hierbei an, dass er eine eilige Medikamentenlieferung für den Nachbarn habe. Hierfür benötige er einen Zettel sowie einen Stift, damit er dem nicht anwesenden Empfänger eine Nachricht zukommen lassen kann. Diese Masche wird meist noch variiert, indem dem vermeintlichen Opfer vorher noch beim Tragen von beispielsweise schweren Einkaufstüten geholfen wird. Während der falsche Medikamentenbote die Geschädigte dann in der Wohnung ablenkt, beispielsweise durch ein Glas Wasser oder ähnliches, kommt eine weitere, unbekannte Person hinzu und durchsucht die Wohnung dann nach Wertgegenständen.

3. Trick – der Wasserrohrbruch

Bei dieser Betrugsmasche handelt es sich um sogenannte falsche Handwerker. Dieser klingelt in diesem Fall ebenfalls und gibt zunächst an das Badezimmer betreten zu müssen. Der Eigentümer der Wohnung wird daraufhin gebeten, das Wasser anzustellen und laufen zu lassen. Beispielsweise durch die Duschdüse. Während dieses Ablenkungsmanöver läuft wird die Wohnung dann nach Wertgegenständen abgesucht. In einigen Fällen hat sich der vermeintliche Betrüger auch schon als Versicherungsangestellter ausgegeben.

Hierzu rät die Polizei – selbst schützen ist die Devise

Niemals fremde Menschen in die eigene Wohnung lassen. Handwerker, Stromableser oder auch Heizungsmonteure sollten sie nur hereinlassen, wenn sie diese selbst bestellt haben und / oder durch die Hausverwaltung einen Termin mit Ankündigung erhalten haben. Bei den oft zitierten Wasserrohrbrüchen sollten sie zudem erst die Stadtwerke, ihre Hausverwaltung oder den Hausmeister anrufen und hier nachfragen, ob dies wirklich der Fall ist.

Vermeintlich eilige Pakete oder Lieferungen für Nachbarn sollten nur angenommen werden, wenn Sie im Vorfeld darüber informiert worden sind.

Außerdem rät die Polizei dazu, immer skeptisch zu bleiben. Dies hat auch nichts mit Unhöflichkeit zu tun, denn es gibt auch Berichte von mutigen Senioren, die beispielsweise Enkeltrickbetrügern das Handwerk gelegt haben. In solchen Fällen sollten Sie daher direkt die Polizei anrufen und nichts in eigener Regie unternehmen.