Besonders beliebt ist der Kauf von deutschen Immobilien für kriminelle Geschäfte

Geldwäsche kann so einfach sein: man nehme eine große Summe Schwarzgeld aus dem Ausland, kaufe eine deutsche Immobilie und mache einen wunderschönen offiziellen Gewinn durch Verkauf oder Mietzahlungen, das berichtet die Procontra-Online. Grundsätzlich sind Makler bei Verdachtsmomenten dazu angehalten, den Behörden verdächtige Klienten zu melden, doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Woher soll der Makler schließlich wissen, woher der Kunde das Geld für seinen Kauf nimmt?

Quelle:  https://www.procontra-online.de/artikel/date/2019/04/immobilien-schwarzgeld-paradies-deutschland/   

Immobilien, Schwarzgeld-Paradies Deutschland. So drückte sich sinngemäß Rudolf Koch vom Immobilienverband Deutschland aus.

Laufende Ermittlung über mehr als drei Jahre

Mehr als 36 Monate haben die deutsche und lettische Polizei zusammengearbeitet und schlussendlich Anfang des Jahres in verschiedenen deutschen Städten zuschlagen können: insgesamt flogen vier Immobilien auf, die ausschließlich durch illegale Aktivitäten finanziert worden waren. Gesamtwert: rund 40 Millionen Euro. Bei deutschen Immobiliengesellschaften stellten die Fahnder weitere rund 6,7 Millionen Euro sicher und konnten auch ein lettisches Konto sperren lassen, bei dem ein weiterer Verkaufserlös aus einer zusätzlichen illegal finanzierten Immobilie aus Chemnitz geflossen sein soll.

Das Geld für den Kauf der deutschen Immobilien soll übrigens seinen Weg aus Russland hierher und schließlich auf die betroffenen kriminellen Konten gefunden haben.

Dunkelziffer noch unbekannt

Alles in allem kann man davon ausgehen, dass es sicherlich noch mehr illegal finanzierte Immobilienkäufe in Deutschland gibt. Dies nachzuweisen ist allerdings leider nicht immer unbedingt einfach und die Pfade zur Rückverfolgung solcher Gelder sind oftmals sehr verschlungen und nur in langer Ermittlungsarbeit herauszufinden, doch die Polizei ermittelt natürlich weiter. Man geht davon aus, dass die neuesten Funde der mit russischem Geld finanzierten deutschen Immobilien nur die Spitze des Eisbergs seien.

Laut einer Studie der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften kann man davon ausgehen, dass etwa 15 bis 30 Prozent aller deutschen kriminellen Vermögenswerte in Immobilien angelegt sind. Besonders der Immobilienmarkt in Deutschland sei ein beliebtes Ziel der ausländischen Kriminellen, gab die Anti-Korruptions-Organisation letztlich bekannt.

Deutschland als Hochburg für Schwarzgelder und kriminelle Aktivitäten auf dem Immobilienmarkt

Inzwischen hat sich die Lage so stark negativ für den deutschen Immobilienmarkt entwickelt, dass Finanzforscher Deutschland gerne als „Hochrisikosektor“ für Geldwäsche aller Länger bezeichnen. Der gute Deutsche Saubermann ist im Ausland bekannt und die Anlage der Gelder in deutsche Immobilien gilt daher als besonders attraktiv und erstrebenswert. Es gibt auf dem deutschen Markt ein blühendes Geschäft in Sachen Gebäudekauf und Verkauf, das machen sich die Kriminellen für ihre Geschäfte natürlich gerne zu Nutzen. Die Gesellschaft Transparency International rechnet mit etwa 30 Milliarden Gesamtvolumen an Schwarzgeld, dass hier in Deutschland im Bereich der Immobilien insgesamt schon gewaschen worden sein soll. Auch die Politik in unserem Lande trägt laut Aussage der Transparency-Expertin Müller zu einem weiter blühenden Schwarzmarkt ein, da sowohl die aktuellen Gesetze als auch die derzeitigen Fahndungsmöglichkeiten der Behörden noch mehr als ungenügend seien.

Allen Parteien, die Teil eines Immobiliengeschäfts werden, wird mittlerweile nachgesagt, dass sie kaum zur Geldwäsche beitragen. Hierbei handelt es sich natürlich in erster Linie um die direkt beteiligten Parteien wir beispielsweise Notare und Anwälte, sowie an vorderster Front sicherlich auch die Immobilienmakler. Im Jahr 2017 habe es gerade einmal eine Anzahl von 21 Maklern, sowie 23 Anwälte und 5 Notare gegeben, die sich wegen Verdachtsfällen mit den Behörden in Verbindung gesetzt hatten. So wird man die Kriminalität auf dem deutschen Markt wohl auch in Zukunft noch lange nicht eindämmen können.

Die Makler betrachten sich nicht als zuständig

Das Interessante an den neuesten Erkenntnissen ist der Umstand, dass bei einer Umfrage mit etwa 15.000 Immobilienmaklern im Jahr 2016 herauskam, dass den Maklern durchschnittlich sogar bei jedem 6.ten Geschäft Zweifel an der Legalität aufkamen. Leider und zum Leidwesen der verantwortlichen Behörden, kam es in diesem Jahr doch nur zu einer Anzeige von Verdachtsfällen im zweistelligen Bereich. Nach der Angabe „bei jedem 6.ten Fall schien etwas verdächtig zu sein“ hätte die Zahl der Anzeigen allerdings etwa bei rund 2.500 Meldungen liegen müssen. Eine enorme Diskrepanz.

Doch warum scheinen die Makler ihre Verdachtsmomente nicht melden zu wollen? Zu dieser Frage kam es auch während der besagten Studie und das Ergebnis zeigte klar, dass rund ein Drittel der befragten Makler sich nicht sicher war, ob ihr Verdacht auch begründet wäre. Extremer war das Ergebnis, dass etwa jeder vierte Makler mit solchen Anzeigen gar nicht erst in Berührung kommen will, schließlich würden sie sich nicht als die „Hilfssherrifs“ der Strafverfolgungsbehörden sehen – so lässt es das Ergebnis der Studie herausfiltern.

Die Politik ist entrüstet über eine solche Haltung und ruft zur aktiven Mitverfolgung von Straftaten auf

Die Verbrechen kann man nur bekämpfen, wenn alle rechtens wirkenden Parteien miteinander kooperieren. Nach dem Gesetz für Geldwäsche sind Makler eindeutig zur Aufklärung solcher Verdachtsmomente verpflichtet und sollten zukünftig in diesem Bereich dringen etwas sensibler und verantwortungsbewusster in Ihrer Arbeit sein. Nur mit ihrer Aufmerksamkeit und Mitarbeit kann man zukünftig weitere Immobilienverbrechen bzw. das weitere „Versenken von Schwarzgeldern“ in deutsche Immobilien verhindern. Inzwischen wurde die weitere Unterlassung der Angabe von Verdachtsfällen durch Makler mit teils sehr Empfindlichen Strafgeldern belegt. Bis zu 100.000 Euro Strafe können fällig werden, wenn er mit einem kriminellen Immobiliengeschäft in Verbindung gebracht wird und es zuvor unterlassen hat, eine Meldung über seinen Verdacht zu machen. Wer seinen Verdacht zurückhält um zu einem Abschluss zu kommen, der leistet laut FIU (Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen) sogar Beihilfe zur Geldwäsche und kann mit noch härteren Strafen belegt werden.

Bei Maklern gibt es eine sogenannte Dokumentations- und Sorgfaltspflicht, diese sollte von den Maklern entsprechend ernst genommen werden. Grundsätzlich ist allerdings auch verständlich, dass er für einen Makler nicht immer unbedingt einfach sein kann nachzuvollziehen, woher die Kunden denn nun tatsächlich das Geld für ihre Immobilienkäufe nehmen. Schwierig wird es laut dem Immobilienverband (der die Rechte von 4.500 Maklern vertritt) besonders auch dann, wenn es sich nicht um Privatkäufer, sondern um Firmen handelt, die für den Kauf als Käufer eingesetzt werden. Besonders bei schwierig nachzuvollziehenden Unternehmensstrukturen kann es schwierig sein, den wirtschaftlich Berechtigen der Fima nachzuvollziehen und zu prüfen. Hat die Firma dann noch ihren Sitz im Ausland, wird es nahezu unmöglich für einen Makler, hier wirklich etwas nachzuvollziehen und als kriminell zu bezeichnen.

Wie man einen illegalen Immobilienkauf noch am ehesten erkennen kann – erste Anzeichen auf Schwarzgeld

Wirklich eindeutige Richtlinien zur Meldung von vermutetem Schwarzgeld gibt es eigentlich nicht, vielmehr muss man sich häufig auf sein Bauchgefühl und das gesamte Auftreten des Immobilienkäufers verlassen. Auf der Seite der FIU finden Makler Fallbeispiele für kriminelle Immobiliendeals – hiermit soll das eigene Bewusstsein für mögliche Straftaten ein wenig weiter geschärft werden. Aufpassen sollten Makler aber grundsätzlich immer dann, wenn der Käufer hohe Bargeldsummen zur Finanzierung der Immobilie aufbringen kann. Dies kann von einer Anzahlung bis hin zur vollen Finanzierung reichen, also sollten Makler besonders in diesem Punkt immer wachsam sein und vorsichtig hinterfragen, woher das viele Geld in bar wohl kommt.

Da oftmals tatsächlich nichts nachweisbar ist und den Maklern allenfalls ein faules Bauchgefühl bleibt, sollten betroffene Makler sich trotzdem noch zur hintergründigen Überprüfung an die Behörden wenden – schließlich könnte es sie im Fall einer kriminellen Aktivität selber mit empfindlichen Geldstrafen treffen.

Bei einer hintergründigen Ermittlung und einem schlechten Bauchgefühl durch den Makler

Kommt es tatsächlich dazu, dass der Makler den Fall von der FIU überprüfen lasen möchte, so muss das Geschäft vorläufig auf Eis gelegt werden. Leicht nachvollziehbar, dass viele Makler vor diesem Szenario zurückscheuen – schließlich wird ihnen der Kunde mit großer Wahrscheinlichkeit von der Angel gehen und sollte sich ihr Bauchgefühl als falsch herausstellen, so hätten sie eine meist gute Provision durch den Immobilienverkauf verloren. Zur heutigen Zeit steht oft die eigene Existenz(-Angst) vor dem eigenen „dummen“ Bauchgefühl, wenn es um Meldungen an Behörden zur Prüfung von Immobilienkunden kommt.

Eine Erleichterung in diesem Debakel soll die Digitalisierung bieten. Makler sollen zukünftig kostenlosen Zugang zu Daten aus dem Handelsregister für Makler erhalten. Hiermit kann man den Immobilienhändlern zumindest ein wenig entgegenkommen und den Arbeitsalltag in Sachen Recherche über den Kunden erleichtern. Die Transparency International wünscht sich eine grundsätzliche Digitalisierung von Grundbüchern, was für noch mehr Transparenz sorgen würde.