Der Tatort ist eine Bar

In einer Bar kann man viele Dinge tun. Sein Feierabendbier genießen, gemütlich mit Freunden zusammen Fußball schauen und offenbar kann man dort auch wunderbar „krumme Dinger drehen“. So stellt es sich zumindest aktuell dar, denn erst kürzlich ließ sich ein leichtgläubiger Mann von einem Betrüger in besagter Bar dazu überzeugen, einen Onlinehandel mit Edelmetallen zu gründen. Alles was daraufhin passierte, war weniger gewinnbringend als teuer für den Betroffenen Jan W.: der Neugründer muss sich nun wegen gewerblichem Betrug vor dem Amtsgericht in Altona verantworten. Er selbst bezeichnet sich als „naiven Strohmann“, doch bekanntlich schützt Unwissenheit vor Strafe nicht, schließlich wurden Goldkäufer um die stattliche Summe von 643.000 Euro betrogen, dies berichtet die MOPO.

Quelle:   https://www.mopo.de/hamburg/online-betrug-mit-gold-angeklagter-hob-binnen-zwei-wochen-eine-halbe-million-ab--32224278

Angeklagter hob binnen zwei Wochen eine halbe Million ab – Online-Betrug mit Gold!

Laut Jan W. sieht der eigentliche Verbrecher einem Kurden oder Türken sehr ähnlich und hatte damals eine GmbH gründen wollen. Hierzu sei er nicht selber in der Lage gewesen, daher hätte Jan W. „Timur“ geholfen – unter diesem Namen stellte sich der Drahtzieher bei seinem Lockvogel vor, als er ihn im Jahr 2016 in der Bar ansprach und um Hilfe bat.
Es dauerte nur zwei Tage, bis Jan W. Geschäftsführer einer neuen GmbH war. 25.000 Euro braucht man zur Gründung einer GmbH, diesen Betrag hatte Jan W. zuvor von Timur erhalten und als Dankeschön für die Hilfe der Gründung ein sogenanntes „Geschäftsführergehalt“ von 600 Euro bekommen. Sitz besagter GmbH trägt den Namen von Jan W. und hat ihren Sitz offiziell in Hannover.

Schaden in Summe: 650.000 Euro

Wie viele Kunden braucht man, um 643.000 Euro Gewinn zu machen? Durch Jan W. konnte Timur diese atemberaubende Summe mit nur 51 Kunden zustande bringen, als Anfang des Jahres 2017 die neu gegründete Firma „W. Edelmetalle GmbH einen regelrechten Senkrechtstart hinlegte, bei dem die Kunden Goldbarren und Goldmünzen bekommen sollten. Tatsächlich bekamen Sie aber niemals ein kleines Stückchen Gold zu sehen.

Dann ging alles ganz schnell: innerhalb von nur etwa 14 Tagen musste der Geschäftsführer Jan W. von diversen Geschäftskunden ca. 500.000 Euro in bar abheben und an Timur überreichen. Hier hätte er schon lange misstrauisch sein müssen, denn mal fanden die Treffen auf der Straße, in einer Bar oder auch im Auto ab. Von seriösem Geschäftsgebaren war hier nicht ein leiser Hauch zu spüren.

Dem Angeklagten kam alles Merkwürdig vor

Ein Hauch von Harry Potters „Imperio“ und der Frage: „wie finden wir nun den heraus, der lügt?“ Jan W.: „Ich habe lediglich getan, was mir aufgetragen wurde.“

Wo sich jeder normale Mensch fragen würde „wo ist hier der Haken an dem Geschäft“ kam Jan W. offenbar nicht auf den Gedanken die Vorgänge um ihn herum kritisch zu bewerten. Auch der Amtsrichter stellte die Frage, ob ihm das alle nicht merkwürdig vorgekommen sein. „Ein wenig ja“, bestätigt Jan W., der von alledem aber nur am Rande etwas mitbekommen haben will. Schließlich wäre er nie bei Bestellungen dabei gewesen und habe lediglich getan, was ihm aufgetragen wurde. Das Ende der Geschichte: kurze Zeit später, nach den Abhebungen auf den Konten, wurde die GmbH verkauft und der ehemalige Geschäftsführer Jan W. mit 8.000 Euro abgefunden. Von Timur und den 500.000 hat niemand mehr etwas gesehen oder gehört – bleibt noch festzustellen, ob weitere Gewinnabschöpfungen bei dieser GmbH möglich sind oder noch unterbunden werden können.