Entstandener Schaden: 4,3 Millionen Euro

Die Volksstimme berichtet über einen fall von Betrug im Internet. Tatort: Sachsen-Anhalt. Aber in Wirklichkeit: das Netz. Unter dem falschen Namen „Lemounte IT GmbH“ hat es ein krimineller vorbestrafter 43-jähriger Mann mit französischem Pass geschafft, insgesamt eine Summe von 4,3 Millionen Euro zu ergaunern. Im Landgericht Magdeburg wird nun gegen ihn verhandelt, nachdem er im Sommer 2018 auf „Ebay“ verschiedene Käufer sowohl in Deutschland als auch im Ausland betrogen hatte. Die meisten seiner Opfer fand der Internetbetrüger in den Bereichen Harz, Magdeburg und im Salzlandkreis.

Quelle::  https://www.volksstimme.de/sachsen-anhalt/abzocke-ueber-ebay-millionenschaden-durch-internetbetrug

Betrug im Internet verursacht Schaden in Millionenhöhe

 

Ein Franzose, der kein Franzose ist

Die Planung des Mannes, der in Wahrheit im Landkreis Mansfeld-Südharz geborgen wurde, dürfte schon im Frühjahr 2018 begonnen haben. Er gründete die Firma „Lemounte IT GmbH“ und nutzte die Onlineplattform Ebay zunächst für den Verkauf von Computerzubehör. Sein Plan: an 200 positive Bewertungen von reellen Käufern kommen, denn so viele positive Bewertungen muss man auf Ebay erhalten, um nicht mehr auf die sichere Bezahlfunktion „Paypal“ angewiesen zu sein. Bei 200 guten Feedbacks geht Ebay von einem vertrauenswürdigen Händler aus, bei dem man auch anders bezahlen kann. Paypal soll genau solchen Betrügern vorbeugen – schade, dass der Schutzmechanismus in diesem Falle nicht gegriffen hat.

Mit Erreichen der 200 positiven Feedbacks wurde die Zahlweise des Betrügers auf „Vorkasse“ umgestellt. Viele Kunden bestellten zwischen dem 27.07. und 02.08. 2018 hochpreisige Ventilatoren und Klimageräte, sahen jedoch weder eine Lieferung, noch ihr per Vorkasse überwiesenes Geld jemals wieder. Die Folge: eine Überlastung der Polizei im Salzlandkreis, bei der plötzlich berechtigterweise über 500 Anzeigen erstattet wurden, wovon 429 Fälle zur Anklage kamen. Gesamtschaden: 150.000 Euro. Seit dem 25. Oktober letzten Jahres sitzt der Angeklagte nun in Untersuchungshaft, wie das Landgericht von Magdeburg bekanntgab. Nach dessen Aussage soll sich der „Pseudo-Franzose“ geständig gezeigt haben.

Der Onlinebetrug kennt kaum Grenzen

Wieder einmal verdeutlicht dieses Beispiel, dass es sogar bei sonst sehr anerkannten und seriösen Verkaufsplätzen nicht zu 100 Prozent möglich ist, sich vor Onlinebetrug zu schützen. So äußerte sich sinngemäß der Bielefelder Rechtsanwalt Georg Schepper, der eines der Betrugsopfer vertritt.

Laut Polizei sind derlei Fälle in Sachsen-Anhalt keine Einzelfälle, sondern kommen scheinbar regelmäßig vor. Allein in den vergangenen drei Jahren steigerte sich die Summe solcher Betrugsfälle kontinuierlich – in Zahlen ausgedrückt geht es hier um eine Steigerung der Betrugsfälle von 9054 auf 9866. Ein Schema zeichnet sich laut Andreas von Koß, dem Sprecher des Landeskriminalamtes, deutlich ab: meist handelt es sich bei den Betrügern um Männer ab 21 Jahren aufwärts. Bei etwa 12 Prozent der aufgefallenen Betrüger handelt es sich nicht um deutsche Staatsbürger, sondern um Täter ausländischer Abstammung.

Grundsätzlich konnten zwei Drittel der Betrugsfälle aufgedeckt werden. Zu den beliebtesten Tricks der Täter gehört das Annehmen falscher oder gestohlener Identitäten oder das Hacken von Ebay Konten. Auch falsche Onlineshops sind laut Koß ein immer beliebter werdendes Betrugsmittel. Sie kennzeichnen sich durch ein schlecht gemachtes Impressum, sowieso durch „Vorkasse“ als einzige Möglichkeit zur Zahlung der Waren. In solchen Fällen sollte man zur eigenen Sicherheit immer die Finger von solchen „Shops“ lassen.