Geldstrafe für Strandkorb Betrug

Die Neue Rotweiler Zeitung berichtet über einen Strandkorb Betrug .Der Oberndorfer Amtsgerichtsdirektor Wolfgang Heuer verurteilte einen Schramberger Geschäftsmann für einen zwar bezahlten, aber nicht gelieferten Strandkorb zu einer Geldstrafe in Höhe von 70 Tagessätzen zu je 40 Euro.

Geldstrafe für Strandkorb-Betrug

Die Dunninger Unternehmerin erzählte am ersten Verhandlungstag Anfang April, dass sie Ende Februar 2018 bei dem Angeklagten einen Strandkorb angezahlt habe. Bei der angezahlten Summe handelt es sich um insgesamt 1.600 Euro. Bis Juli habe sie den Strandkorb immer noch nicht erhalten und der Angeklagte habe sich immer wieder in Ausreden verwickelt. In Folge dessen stornierte sie den Auftrag und verlangte ihre Anzahlung in Höhe von 1.600 Euro zurück. Diese habe sie bis heute nicht erhalten.

Nur noch gegen Vorkasse

Der Angeklagte behauptete, er habe das Geld der Kundin an die Strandkorblieferantin weitergeleitet. Um sicherzustellen das dies die Wahrheit ist, ließ Richter Heuer nachermitteln. Dabei erhielt das Gericht von der Lieferantin eine Mail, dass sie mit dem Angeklagten keine guten Erfahrungen gemacht habe und sie nur noch gegen Vorkasse mit diesen Geschäften macht. Die entscheidende Aussage für das Gericht war allerdings, dass für den besagten Strandkorb kein Geld eingetroffen sei und sie diesen somit auch nicht ausgeliefert habe. Zudem schulde der Angeklagte ihr immer noch Geld. Außerdem wolle sie mit solchen Menschen nichts mehr zu tun haben.

Im weiteren Verlauf behauptet der Angeklagte, er habe das Geld für den Strandkorb überwiesen und die entsprechenden Kontoauszüge von seiner Bank angefordert. Diese habe er aber bis heute nicht erhalten. Im Mai 2018 sind zwar Eingangsbestätigungen der Lieferfirma des Angeklagten zu verzeichnen. Jedoch nicht für den besagten Strandkorb, für den er Anfang März das Geld erhalten hatte.

Richter Heuer will der ganzen Sache auf den Grund gehen, auch wenn er die Lieferantin dafür 900 Kilometer weit anreisen lassen und er die Kontoauszüge beschaffen muss. Dabei redet er dem Angeklagten ins Gewissen und macht ihm deutlich, dass er völlig überschuldet sei. Auch ist der Richter der Meinung, dass das Geld der Kundin womöglich verschwunden ist. Dies alles half aber zunächst nichts. Der Angeklagte mutmaßte zudem, dass bei der Rechnungserstellung eine Nummer verwechselt wurde.

Hoch verschuldet

Ein Gerichtsvollzieher gewährte einen tieferen Einblick in die finanzielle Situation des Angeklagten und seiner Ehefrau. Dabei zeigte sich, dass in der Zeit vom 1. Januar 2016 bis 31. März 2019 ungefähr 60 Vollstreckungsaufträge gegen den Angeklagten vorliegen. Dabei handelt es sich um eine Gesamtsummer von etwa 150.000 Euro. Der Gerichtsvollzieher konnte zweimal vollstrecken. Einmal ein Bußgeld über 142,50 Euro und ein andermal 45,90 Euro für die Stadtverwaltung in Neuss.

Auch gegen die Ehefrau des Angeklagten lagen rund 70 Vollstreckungsaufträge vor. Etwa 5.000 Euro wurden im Laufe der Jahre hierzu abbezahlt sodass es sich jetzt noch um eine offene Gesamtsumme von etwa 155.000 Euro handelt. Dies hatte aber anscheinend nur einen Grund. Denn immer dann, wenn die Krankenkasse AOK Forderungen gestellt hat, wurde bezahlt. Ansonsten würde ihr Laden nämlich geschlossen werden. Beide haben gemeinsam ein Geschäft in der Fußgängerzone in Schramberg betrieben.

Normal seien so viele Vollstreckungsaufträge nicht, so der Gerichtsvollzieher gegenüber dem Richter Heuer. Zwischen 10 und 15 Vollstreckungsaufträge könnten es mal sein. Der Richter fragt gegenüber dem Angeklagten, wie man so ein Geschäft betreiben könne, wenn man doch so hoch verschuldet ist. Die Antwort des Angeklagten „Indem man versucht, mit dem verdienten Geld die Schulden zu bedienen“. Jedoch ging dieser Plan nach hinten los. Denn zuletzt musste das Ehepaar einen Pachtvertrag für eine Gaststätte in Schramberg aufgeben.

Zurück ins Angestelltenverhältnis

Der gelernte Kaufmann arbeitet seit Ende 2018 wieder im Angestelltenverhältnis in einer Firma. Diese zieht am Bodensee eine Shopping Mall hoch. Der Angeklagte berichtet nun, dass sein Gehalt bis auf die Pfändungsgrenze von etwa 2.000 Euro durch das Finanzamt gepfändet wird.

Nach einigem hin und her entgegnete der Angeklagte schließlich dem Richter, dass er nicht mehr wüsste, ob er das Geld für den Strandkorb an die Lieferantin gezahlt habe. Der Richter hat schließlich diese Aussage als halbfertiges Geständnis bewertet.

Urlaub im Appartement in Galtür

Der Richter hielt dem Mann, der nach eigener Aussage „von der Hand im Mund“ lebt, der betrogenen Kundin noch keinen einzigen Euro gezahlt hat und eine Privatinsolvenz anstrebt vor, dass seine Frau ein Apartment für vier Personen in Galtür gebucht habe. Die Anzahlung für das Silva Peak Residences betrug dabei satte 900 Euro. Auf der Website der Tiroler Luxus-Appartements wirbt man mit einer Innenausstattung, die eine Symphonie aus hochwertigen Materialien und Tiroler Charme bildet. Der Angeklagte behauptet, dass der Urlaub von der Schwiegermutter bezahlt wird.

Der Angeklagte äußerte sich schließlich noch zu seinen persönlichen Verhältnissen. Darin inbegriffen ist die Pleite seiner Ladenbaufirma. Diese löste ein verunglücktes Geschäft mit einem Kreuzfahrtschiff und ein Projekt auf dem Berliner Flughafen aus. Richter Heuer verwies zudem auf die beiden Vorstrafen wegen Betrugs und schloss damit die Beweisaufnahme.

Kurzes Plädoyer durch den Staatsanwalt

Das Plädoyer des Staatsanwaltes viel kurz aus. Es sagt aus, dass der Angeklagte 1.600 Euro kassiert habe, den Strandkorb jedoch nicht geliefert hat. Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Angeklagten seien zu diesem Zeitpunkt katastrophal gewesen. Es heißt, der Angeklagte habe damit rechnen müssen, dass er die Anzahlung nicht leisten würde und dass er den Strandkorb schließlich nicht bezahlt hat. Die Forderung des Staatsanwaltes gelaufen sich auf eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 40 Euro. Der Angeklagte verzichtete schließlich auf das letzte Wort. Richter Heuer zog sich zur Urteilsfindung zurück.

Er habe sich des Betrugs schuldig gemacht

Nach nur wenigen Minuten hat Richter Heuer das Urteil gefällt. In seiner Begründung macht er zudem klar, dass es hochgefährlich sei, sich mit solchen Schulden selbstständig zu machen. Auch sei er verwundert, dass der Angeklagte nun in den Skiurlaub nach Galtür fahre, anstatt seine Schulden zurück zu zahlen.

Der Richter sei sich sicher, dass der Angeklagte sich des Betrugs schuldig gemacht habe, weil er sich nicht sicher sein konnte, dass er den Auftrag auch erfüllen würde. Die Verhaltensweise des Angeklagten sei kriminell. Man dürfe die Auswirkungen nicht unterschätzen, die jemand anrichtet, wenn er seine Schulden nicht bezahle, so der Richter zum Angeklagten. Aufgrund der Vorstrafen hätte die Geldstrafe auch höher ausfallen können oder es hätte dem Angeklagten sogar eine kurze Haftstraße gedroht. Richter Heuer ermahnte den Angeklagten, die Privatinsolvenz anzugehen. Auch rät ihn der Richter dazu, sein Leben auf die Reihe zu bekommen.

Am Ende hatte der Angeklagte schließlich doch noch das allerletzte Wort: „Danke.“